Gustave Moreau
Galatea

Galatea
Gustave Moreau (1826-1898)
Galatea
Um 1880
Öl auf Holz
H. 85,5; B. 66 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda


Galatea

Galatée [Galatea]


Das Thema dieses Gemäldes ist der 12. Fabel des 13.Buches von Ovids Metamorphosen entnommen und schildert die Eifersucht des Zyklops Polyphem über die Liebe Galateas zu Acis. Zwei in seinem Esszimmer befindliche Fotografien bezeugen Gustave Moreaus Interesse für dieses Motiv: auf der einen ist der Triumph Galateas von Raffaël und auf der anderen der Polyphem von Sebastiano del Piombo zu sehen.
Moreau illustriert hier nur die erste Zeile: „Ein schrecklicher Riese liebt eine schöne Nymphe“. Seine Darstellung bietet eine persönliche, zeitgemäße und märchenhafte Interpretation der heidnischen Mythologie. Sie entbehrt jeglicher Anekdotik und konzentriert sich auf den Kontrast zwischen der furchtbaren Hässlichkeit und der anmutigen Schönheit, der Schönen und dem Tier, der Liebe und der Verachtung. Sein Bild inszeniert einen Kampf zwischen Schatten und Licht, Mineralreich und Wasser, Gut und Böse.
Moreaus Polyphem ist kein Menschenfresser sondern ein melancholisches Wesen, das sich in der monokularen Kontemplation der unerreichbaren Frau verirrt hat. Galatea, die in eine für den Riesen unzugängliche Höhle geflohen ist, wirkt wie eine schillernde Perle in ihrer Schatulle. Das unterschiedliche Größenverhältnis der beiden Figuren wiederholt sich auch bei Galatea und den winzigen Nymphen, die inmitten der hauchdünnen Wasserpflanzen und Korallen fast nicht auszumachen sind... Der Künstler hat diese übernatürlich anmutende Vegetation ausführlich anhand eines Buches über Meerespflanzen aus dem Museum d'histoire naturelle (Naturkundemuseum), in dem sich Moreau 1879 als Gasthörer eingeschrieben hatte, studiert.
Die Bearbeitung des Ölgemäldes mit der Frottage- und Grattage-Technik verleiht dem Werk einen kostbaren Emaileffekt. Der Salon 1880 ist Moreaus letzter Salon. Galatea markiert den triumphierenden Höhepunkt seiner Künstlerkarriere.


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