Honoré Daumier
Die Wäscherin

Die Wäscherin
Honoré Daumier (1808-1879)
Die Wäscherin
Um 1863
Öl auf Holz
H. 49; B. 33,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

La Blanchisseuse [Die Wäscherin]


Daumier machte häufig die arbeitsamen Menschen der großen Stadt unter dem Zweiten Kaiserreich zum Helden seiner Darstellungen. Sein Ansehen verdankte er zwar insbesondere seinen Karikaturen, die durch die Lithografien bekannt wurden, der vielseitige Künstler war jedoch auch als Maler und Bildhauer tätig.

Das Thema der Wäscherin existiert in drei einander ähnlichen Versionen, die erste wurde auf dem Salon von 1861 präsentiert. Während Millets Interesse nun nicht mehr ländlichen Bräuchen sondern dem Leben der Bauern in den Jahren 1850 galt, widmete Daumier sich der Darstellung des Arbeiters in den Städten. Im Gegensatz zu der verspielten, anmutigen Wäscherin eines Boucher, Fragonard oder Hubert Robert im 18. Jahrhundert steht bei Daumier der sozialkritische Aspekt, die harte monotone Arbeit der Wäscherin im Vordergrund.

Es ist deutlich zu spüren, wie schwer der Alltag auf Körper und Seele der Figuren lastet. Resigniert und zärtlich zugleich hilft die Mutter ihrem Kind, die hohen Stufen hinauf. Der Wäschebleuel in der Hand des Kindes spielt auf die prädestinierte Zukunft des Mädchens an.

Das Gemälde wird im Hintergrund durch die Häuserwand eines Pariser Kais abgeschlossen, ein leuchtender, zweifellos sorgfältig beobachteter Schmuckkasten, durch dessen unvollständige Ausführung die Szene besonders symbolträchtig wirkt.

Das Gemälde besticht durch die monumentale, kraftvolle Darstellung der einfachen Menschen, die auch Michelangelos Werk prägt und die dem Betrachter eine Art „wirklichkeitsgetreuer Allegorie“ vermittelt.


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