Gustave Caillebotte
Die Parkettschleifer

Die Parkettschleifer
Gustave Caillebotte (1848-1894)
Die Parkettschleifer
1875
Öl auf Leinwand
H. 102; B. 146,5 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Les raboteurs de parquet [Die Parkettschleifer]


Dieses Gemälde gehört zu den ersten Darstellungen des städtischen Proletariats. Bauern (Ährenleser von Millet) oder Landarbeiter (Steinklopfer von Courbet) wurden zwar häufig gezeigt, doch die Arbeiter aus der Stadt dienten nur sehr selten als Motiv der Gemälde. Im Gegensatz zu Courbet oder Millet entbehrt das Werk von Caillebotte, einem wohlhabenden Bourgeois, jeglicher gesellschaftlicher, moralisierender oder politischer Kritik. Es ist von dokumentarischem Wert (Handgriffe, Werkzeuge, Geräte) und zeichnet sich durch äußersten Realismus aus.

Caillebotte absolviert seine akademische Ausbildung bei Bonnat, daher entsprechen die perspektivische Wirkung, die durch die Draufsicht noch verstärkt wird, sowie die Anordnung der Dielen der Tradition. Der Künstler fertigte von allen Bildteilen eine Entwurfzeichnung an, bevor er sie mit Hilfe eines Quadratrasters auf die Leinwand übertrug. Die nackten Oberkörper der Parkettschleifer gleichen denen antiker Helden. Caillebotte versteift sich jedoch bei weitem nicht auf akademische Übungen, seine Genauigkeit ermöglicht es ihm, eine völlig neue Sichtweise seiner Welt vermitteln.

Das Gemälde wird 1875 auf dem Salon präsentiert und von der Jury abgelehnt, da sie sich vermutlich über den schonunglosen Realismus entrüstet (manche Kritiker bezeichneten das Motiv als „vulgär“). Der junge Maler schließt sich daraufhin den Impressionisten an und präsentiert sein Gemälde 1876 auf der zweiten Ausstellung der Gruppe, auf der Degas seine ersten Büglerinnen ausstellt.
Das moderne Bild macht großen Eindruck auf die Kritiker, insbesondere auf Zola, der jedoch dieses „bourgeoise Gemälde auf Grund seiner Genauigkeit“ ablehnt.


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