Max Berthelin
Industriepalast

Weltausstellung 1855. Industriepalast, Querschnitt
Max Berthelin (1811-1877)
Weltausstellung 1855. Industriepalast, Querschnitt
1854
Schwarze Tinte und Aquarell
H. 31,1; B. 67,3 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Exposition universelle de 1855. Palais de l'Industrie, coupe transversale [Weltausstellung 1855. Industriepalast, Querschnitt]


Die Idee einer friedlichen internationalen Gegenüberstellung, die Handel, Industrie und Bildende Künste vereint, nimmt 1851 in London mit der ersten Weltausstellung Gestalt an. Der von John Paxton errichtete Crystal Palace wird auf Grund seiner Transparenz, seiner grandiosen Ausmaße und seiner revolutionären Ausführung – der Aufbau dauerte dank der genormten Struktur- und Dekorelemente nur sechs Monate - ein Symbol der Moderne. Anlässlich der ersten Pariser Weltausstellung von 1855 entsteht in Paris, am unteren Ende der Champs Elysées ein für eine lange Lebensdauer konzipiertes Gebäude, das mit dem beeindruckenden Londoner Meisterwerk wetteifern soll: Der Industriepalast. Dieses Werk des Architekten Viel und des Ingenieurs Barrault verbindet recht ungeschickt ein dreifaches Metallschiff von 48 m Tragweite mit einer Steinfassade und deren riesigen Eingangstoren. Der Besucher betritt die Halle von der Seite her und hat gar keine Gelegenheit, die Höhe und das schöne Licht des zentralen, glasgedeckten Gewölbes zu genießen. Die Kritiken fielen entsprechend lebhaft aus: „Der Besucher, der mit dem Gedanken an einen lichtdurchfluteten Palast, einen Kristallpalast hierher kommt, wird höchst erstaunt sein, wenn er vor dieser enormen Masse feststellen muss, dass es sich bei dem Kristall um nichts anderes als Calciumcarbonat, welches der Laie schlicht Stein nennt, handelt.“ Das Bauwerk wird eine gewichtige Stellung in der Geschichte des Geschmacks erhalten, da es bis zu seinem Abriss im Jahr 1900, wo es dem Großen und dem Kleinen Palais den Platz räumen muss, die Ausstellungen des Salon beherbergt.

Diese Studie zur Innenstruktur zeugt von der Leidenschaft, die Max Berthelin, der Architekt der Compagnie des Chemins de Fer de l'Ouest (Westfranzösische Eisenbahngesellschaft) für den Bau mit eisernen Strukturen hegt. Allerdings nimmt er nicht an der Konstruktion an sich teil. Die beiden Zeichnungen im Musée d’Orsay (perspektivische Sicht und Querschnitt) aus dem Jahr 1854 sind weder Entwürfe, noch wirklichkeitsgetreue Abbildungen, da das Bauwerk zu dem Zeitpunkt noch längst nicht vollendet ist


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