Maurice Denis
Landschaft mit grünen Bäumen

Landschaft mit grünen Bäumen oder Die Buchen von Kerduel
Maurice Denis (1870 - 1943)
Landschaft mit grünen Bäumen oder Die Buchen von Kerduel
1893
Öl auf Leinwand
H. 46; B. 43 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Paysage aux arbres verts ou Les Hêtres de Kerduel [Landschaft mit grünen Bäumen oder Die Buchen von Kerduel]


Das Jahr 1893 bildet den Höhepunkt in Maurice Denis’ Leben; es ist das Jahr, in dem er Marthe Meurier heiratet und mit ihr im Sommer auf Hochzeitsreise nach Perros-Guirec fährt; es ist auch das Jahr, in dem er sich den Nabis und Symbolisten anschließt.

1893 entstehen die Gemälde Die Musen (Musée d'Orsay), Jakobs Kampf mit dem Engel (Joséfowitz Sammlung) und Die grünen Bäume, auf denen in höchst stilisierter Form der für Baudelaire so wichtige Wald der „Entsprechungen“, ein Erbe von Puvis de Chavannes (Der heilige Wald, The Art Institute of Chicago) und von Gauguin (Die blauen Bäume, 1888, Charlottenlund, Ordrupgaard Samlingen) zu sehen ist. Es scheint, Denis, der Theoretiker der Nabisgruppe, habe in den drei Gemälden bewusst den Rat, den Gauguin Schuffenecker in einem seiner berühmten Briefe gab, umgesetzt: „Versuchen Sie nicht zu sehr nach der Natur zu malen; die Kunst ist abstrakt – lassen Sie sich von ihr inspirieren, konzentrieren Sie sich auf den kreativen Akt und nicht auf das Ergebnis“. Der Wald von Saint-Germain-en-Laye der Musen und der Wald von Loctudy der Buchen von Kerduel (in der Nähe von Perros-Guirec) gibt jeweils eine „plastische Vorstellung“ der Natur, die dem Gefühl des Künstlers entspringt und beim Betrachter Emotionen auslösen soll.

Auf den Grünen Bäumen dient die Landschaft von Loctudy (die auch auf dem zeitgenössischen Gemälde Mädchen pflücken Blumen am Meeresufer aus der ehemaligen Sammlung des symbolistischen Dichters Georges Rodenbach zu sehen ist) als Rahmen für eine fast traumhaft anmutende Zeremonie, wo sich ein Mädchen von einer Prozession entfernt und auf einen hinter einem Mäuerchen befindlichen Engel zuzugeht; es handelt sich hier um die Inszenierung der Allegorie der Berufung oder der Auswahl in einem Zauberwald, dem Wald von Kerduel, in dem der berühmte König Arthur gelebt haben soll.
Maurice Denis hängt sehr an diesem Gemälde, das er am 7. Januar 1917 in der Galerie Druet hinterlegt, am 22. April wieder abholt und sich nie mehr davon trennt.
Die grünen Bäume sind ein Kondensat der poetischen symbolistischen Kunst des Künstlers und illustrieren auf vollendete Weise den persönlichen Stil, den er innerhalb der Nabisgruppe entwickelt. Das Gemälde wird im Laufe der letzten dreißig Jahre auf fast allen Maurice Denis gewidmeten Ausstellungen präsentiert.


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