Félix Nadar
Pierrot als Fotograf

Pierrot Fotograf auch der Mime Deburau genannt
Félix Nadar (1820-1910), Adrien Tournachon (1825-1903)
Pierrot Fotograf auch der Mime Deburau genannt
1854
Salzpapierabzug
H. 28,6; B. 21 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Pierrot photographe dit aussi Le mime Deburau avec un appareil photographique [Pierrot als Fotograf oder Der Pantomime Deburau mit einem Fotoapparat]


Im Herbst 1854 oder Winter 1854-1855 bittet Nadar, der seinen jüngeren Bruder Adrien an seiner Arbeit beteiligt, den Pantomimen Charles Deburau (1829-1873) des Théâtre des Funambules, ihm für eine Reihe von „Ausdrucksköpfen“ Modell zu stehen. Letzterer ist der Sohn des berühmten Baptiste Deburau, der 1945 in dem Film Kinder des Olymp von Marcel Carné für die von Jean-Louis Barrault verkörperte Rolle als Modell diente.
Dank des Einsatzes eines einflussreichen Freundes, wird die Serie auf der Weltausstellung von 1855 präsentiert. Die Ausstellungsjury zeichnet das Werk mit einer Goldmedaille aus. Es wird jedoch nicht Félix sondern Adrien geehrt, der sich den Künstlernamen seines Bruders angeeignet hat und sich Nadar jeune (Nadar der Jüngere) nennt. Félix strengt einen Prozess gegen Adrien an, den er 1857 gewinnt.

Das Porträt von Pierrot als Fotograf ist das erste des Deburau Albums. Die Serie soll für Nadars Studio werben. Der Pantomime steht neben einem Fotoapparat, den er zu bedienen scheint. Mit der linken Hand bedeutet er dem Modell, nicht auf ihn sondern auf das Objektiv zu schauen. Mit der rechten Hand zieht er eine Plattenkassette heraus.
Der Fotoapparat auf dem hohen Stativ mutet anthropomorph an und wirkt wie ein merkwürdiger Bühnengefährte des Clowns. Das Mensch-Maschine-Paar erweckt den Anschein, als handele es sich um Nadars Doppelgänger an seinem eigenen Apparat. Man könnte sich vorstellen, dass die Kassette in Pierrots Hand ein noch nicht entwickeltes Porträt von Nadar bei der Arbeit enthält, ebenso wie der Abzug von Nadar das hier abgebildete Foto zeigt. So wird jeder zum Fotografen und zum Modell des anderen. Diese Identitätsverwirrung steht in der Tradition der Commedia dell'arte.


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