Paul Gauguin
Selbstbildnis mit gelbem Christus

Selbstbildnis mit gelbem Christus
Paul Gauguin (1848-1903)
Selbstbildnis mit gelbem Christus
Zwischen 1890 und 1891
Öl auf Leinwand
H. 30; B. 46 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / René-Gabriel Ojéda

Portrait de l'artiste au Christ jaune [Selbstbildnis mit gelbem Christus]


Das Selbstporträt des Künstlers mit gelbem Christus entstand am Tag vor seiner ersten Reise nach Tahiti, es ist ein wahres Manifest. Es handelt sich um ein Selbstbildnis mit drei Gesichtern, anhand derer der Künstler die verschiedenen Facetten seiner Persönlichkeit enthüllt. Gauguin war zu der Zeit noch völlig unbekannt, verkannt und gerade von seiner Frau, die mit ihren Kindern nach Dänemark zurückgekehrt war, verlassen worden. Er hatte Schwierigkeiten, eine offizielle Mission zu erhalten, um sich in den Kolonien niederlassen zu können.

Der starre Blick der zentralen Figur verrät dem Betrachter die Schwierigkeiten Gauguins jener Zeit und auch seine Entschlossenheit, seinen Kampf als Künstler fortzusetzen. Dahinter sind zwei andere Werke aus dem Vorjahr zu sehen, die einen sehr unterschiedlichen ästhetischen und symbolischen Gesichtspunkt vertreten.

Links befindet sich der gelbe Christus - Sinnbild höchsten Leids -, mit den Zügen Gauguins. Der Arm des Christus oberhalb des Kopfes des Malers wirkt beschützend. Das Gelb, die Lieblingsfarbe des Künstlers, kontrastiert mit dem Rot des Selbstporträt, Topf in Form eines grotesken Kopfes, das rechts auf einem Regal steht. Dieser anthropomorphe Topf, den Gauguin als "Kopf des wilden Gauguins" bezeichnete, trägt die Spuren des Feuers, das das Material zu Stein machte. Das zu einer Fratze verzerrte Gesicht und die primitive Ausführung verkörpern die Leiden und den urtümlichen Charakter Gauguins.

Dieses Gemälde, das Gauguin als Engel und wildes Tier zugleich zeigt, ist eine Mischung von Synthetismus und Primitivismus und kündigt Gauguins großes künstlerisches und menschliches Abenteuer an.


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