Otto Schönthal
Villa Vojcsik, Wien, Straßenfassade

Villa Vojcsik, Wien, Straßenfassade, Aufriss und Perspektive
Otto Schönthal (1878-1961)
Villa Vojcsik, Wien, Straßenfassade, Aufriss und Perspektive
1901
Bleistift, Feder und schwarze Tinte, Aquarell, Gouache
H. 20,5; B. 11,2 cm
© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Villa Vojcsik, Vienne, façade sur rue, élévation et perspective [Villa Vojcsik, Wien, Straßenfassade, Aufriss und Perspektive]


1997 hat das Museum die außergewöhnliche Möglichkeit erhalten, eine Reihe von vierzig Zeichnungen zu erwerben, die die Karriere von drei berühmten Wiener Architekten, Otto Schönthal, Emil Hoppe und Marcell Kammerer, alle drei Schüler Otto Wagners, illustrieren. Diese Zeichnungen decken vom Beginn der Sezession (1898) bis 1908-1910, kurz vor dem endgültigen, durch den Krieg bedingten Bruch, die zehn wichtigsten Jahre der Wiener Arbeiten im Bereich der Architektur ab. Es ist eine Zeit intensiver architektonischer Arbeit; es gibt zahlreichs Wettbewerbe, Konstruktionen und Veröffentlichungen. Diese Sammlung von Zeichnungen ist ein beredtes Zeugnis dafür. Mietshäuser, luxuriöse Villen, herrschaftliche Privathäuser, offizielle Paläste, Theater, Thermalbäder, Hotels und Banken sind die Lösungen, welche die Architekten den Bedürfnissen der Moderne entgegenbringen.

Diese drei jungen Männer sind so begabt, dass Wagner ihnen äußerst wichtige Projekte, wie die Postsparkasse (1903-1906) und die Kirche Am Steinhof (1904-1907) anvertraut. Es geht so weit, dass man ab 1898 in den Entwürfen des Meisters seine Hand nicht mehr von der drei Architekten unterscheiden kann. Gemeinsam gründen sie 1909 ihr Architekturbüro. Im gleichen Jahr wird Schönthal Direktor der angesehenen Revue Der Architekt.

Die Zeichnungen für die Villa Vojcsik wurden von Schönthal im Lauf seines dritten Ausbildungsjahres bei Wagner angefertigt und dies ist auch sein erster bedeutender Auftrag. Der Doktor Vojcsik vertraute ihm den Bau einer Villa an, die auch die Räume der Arztpraxis beherbergen sollte. Sie wurde 1901-1902 in der Linzer Straße errichtet. Mit dieser Villa beginnt der Rückgang der sezessionistischen Dekoration und die ersten abstrakten, geometrischen Volumina in der Wiener Baukunst treten auf. Man kann hier die geschickte Verbindung von klassizistischen Formen, baulicher Einfachheit und einer Vielfalt von ornamentalen Elementen aus allen Provinzen, unter anderen den Orientalischen, des riesigen österreichisch-ungarischen Reiches bewundern.


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