Zeichnen Hängungen

Henri-Edmond Cross, Bäume

Raum 69
15. April-7. Juli 2013


Henri Edmond CrossCyprès à Cagnes© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Michèle Bellot
Im Oktober 1891 lässt sich Cross endgültig an der Mittelmeerküste, in einer hügeligen, von Kiefern und Korkeichen geprägten Landschaft nieder. Das Licht des Südens, dieses „Licht, das sich überall widerspiegelt, [das] die natürlichen Farben neutralisiert und die Schatten grau erschienen lässt” (Signac), inspiriert Cross zu zahlreichen Skizzen und Zeichnungen.

Arbeiten auf Papier erholt er sich von seinen Gemälden, sie sind eine willkommene Abwechslung: „Die absolute Notwendigkeit, schnell, kühn und gar dreist zu sein, wirkt wie eine Art wohltuendes Fieber auf die Arbeit”, schrieb er 1900. Cross geht es nicht darum, einen Baum in Aquarell nachzuzeichnen, sondern ein Aquarell von einem Baum anzufertigen, „die Farben zum Tanzen zu bringen”.

Tanz und Zeichnung

Raum 68
7. April-7. Juli 2013

Der Tanz, eine Reise durch Raum und Zeit

dessin
Auguste RodinDanseuse (Hanako)© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Thierry Le Mage
Anlässlich der Weltausstellungen entdecken die Künstler die Tänze des Orients. Toulouse-Lautrec und Rodin verewigen die neuen Körperhaltungen der asiatischen Tänze, Reisende bringen aus dem Fernen Osten Zeichnungen mit, die sich durch ihre prachtvollen Kostüme auszeichnen (Perret).

Auch an der Exotik der Antike finden die Künstler Gefallen: in Verbindung mit der Mythologie in den Ballettvorführungen (Fantin-Latour), mit der wiedergewonnenen Freiheit durch die Begegnung mit der Natur in den neuen Tänzen, die um 1900-1910 entstanden. In Musik und Tanz klingen das vergangene Goldene Zeitalter (Osbert, Redon) und die von Nietzsche popularisierte dionysische Energie an (Bourdelle, Rodin).

Die Eigenschaften des Tanzes zeichnen: Schwerelosigkeit, Bewegung, Freude

Joseph BernardTänzerin mit Schleier© RMN (Musée d'Orsay)
Sowohl die Tänzerin als auch der Seiltänzer oder Akrobat befreien sich von den körperlichen Spannungen. Diese Leichtigkeit wird durch die Transparenz von Pastell und Kreide, verwischtem Graphit, Aquarell und Lavierung mit Tinte wiedergegeben. Vor allem Bildhauer interessieren sich angesichts des Gewichts des Materials für diese Dimension (Carpeaux, Bernard, Rodin).
Durch den Tanz versuchen die Künstler die Bewegung zu erfassen: den Ablauf von Körperhaltungen und Gesten, das Wirbeln und den Rhythmus des Körpers (Cappiello, Dehodencq).

Die Zeichnung ermöglicht eine Unmittelbarkeit, sie kann schnell ausgeführt werden, erlaubt Ausbesserungen, Änderungen und Radieren. Die Zeichnung entsteht vor dem Motiv oder anhand von Fotografien und Chronofotografien, sie spiegelt Einvernehmen zwischen den Gesten des Tänzers und Zeichners wider.
Die geschmeidigen und entblößten, geschmückten oder verhüllten Körper der Tänzer und Tänzerinnen werden zu einem Objekt der Begierde. Die Freiheit des Körpers wird mit dem tatsächlich oder mutmaßlich ausschweifenden Lebenswandel der Kabarett- oder Balletttänzerin assoziiert. Der Tanz gehört zu den Unterhaltungen und Vergnügen des Nachtlebens (Bottini, Toulouse-Lautrec).

Degas’ Tänzerinnen

Edgar DegasDanseuse se grattant le dos© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Adrien Didierjean
Degas inspiriert Paul Valéry zu dem Essay Tanz, Zeichnung und Degas (1936). Er zeichnet mit Vorliebe Balletttänzerinnen bei der Probe oder während der Pause, doch ihn fasziniert auch die ekstatische und märchenhafte Dimension des Tanzes.

Mittels Pauspapier und unablässiger Überarbeitung versucht er die Tänzerin zu erfassen: die Drehbewegungen ihres Körpers, die glänzende Darbietung, Einsamkeit und Gruppe, Arbeit und Anmut, die Grenze zwischen Gleichgewicht und Ungleichgewicht.
Um jede Geste der Tänzerin perfekt wiederzugeben, wiederholt er sie unzählige Male mit Graphit, Kohle, Tinte, Pastell…

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