Studien nach der Natur: Die Sammlung des Malers und Radierers Théophile Chauvel

ARCHIV
2010

AnonymZwei Bäuerinnen© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt
Nur sehr selten sind uns nahezu vollständige fotografische Sammlungen von Künstlern wie Théophile Chauvel (1831-1909) erhalten geblieben. Der Landschaftsmaler Chauvel, der der Schule von Barbizon angehörte, war in dieser Hinsicht ein Maler seiner Zeit. Denn seit 1850 verwendeten zahlreiche Künstler, wenn sie nicht selbst als Fotograf tätig waren, Fotografien, sogenannte Studien nach der Natur, die eigens zu diesem Zweck angefertigt wurden.
Die Sammlung von Chauvel ist charakteristisch für das Pariser Angebot der Jahre 1860 bis 1870. Sie vermittelt einen Überblick über die Qualität und die facettenreiche Produktion und über die Rolle, die die Fotografien für die Verbreitung zeitgenössischer ästhetischer Strömungen, insbesondere der Barbizon Schule, spielten.

Die Fotografien von Modellen in traditioneller Tracht, Tieren, Pflanzen oder Felsen dienten als Hilfsmittel und ersetzten die Zeichnung nach der Natur. Sie sind das Werk von bekannten oder anonymen Fotografen, die dem Universum der Maler sehr nahe stehen. Ihre Aufnahmen gehen häufig über eine objektive Darstellung hinaus, der virtuelle Aufbau ihres Bildes orientiert sich an der Malerei.
Sie akzeptieren zwar gern ihre Funktion als „ergebenen Diener” der Künste, wie Baudelaire das Medium nannte, doch ihr Anliegen ist es, Studien nach der Natur anzufertigen, die auf die Tradition der Malerei Bezug nehmen und Künstlern als Inspirationsquelle für naturgetreue Darstellungen dienen. Die Fotografen entwickeln eigene Regeln und Gesetze, versuchen sich an formalen Neuerungen und leisten ihren Beitrag zu einer eigenständigen Bildsprache der Fotografie.

Ausstellungsleitung

Thomas Galifot, Konservator im Musée d'Orsay

7 Mai - 8 November 2010
Musée d'Orsay
Salle 21

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