Die Fotoreportage (1843-1933)

ARCHIV
2007

Peter Henry EmersonDans l'atelier de voilerie © Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt / Alexis Brandt
Thema dieser Hängung sind die Anfänge der sozialkritischen Fotoreportage. Die Ausstellung zeigt, wie die Fotografen im Laufe des 19. Jahrhunderts die Arbeiter, kleinen Handwerker, Bauern, Armen und Handlanger oder die von der westlichen Zivilisation noch so gut wie unberührten Völker darstellen.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Presse ihren großen Aufschwung erlebte, bezeichnet das Wort „Reporter“ einen Journalisten, der sich mit einem bestimmten Thema befasst. Die eigentlichen Fotoreportagen gibt es schon seit der Erfindung der Papierfotografie in den Jahren 1840, doch sie sind anfangs für einen relativ kleinen Kreis bestimmt. Bessere Apparate und die Einführung illustrierter Zeitschriften führen zur Expansion der Fotoreportage. Dies war dank des gleichzeitigen Drucks von Foto und Text nun endlich in großem Umfang möglich.

Nach den Ereignissen von 1848 werden die „einfachen Leute“, wie Professor Robert Herbert schrieb, „geschichtswürdig“ und zu einem der beliebtesten Themen von Philosophen, Schriftstellern, Malern und etwas später Politikern. Die Fotografen folgen diesem Beispiel in Kürze.

Die ausgestellten Aufnahmen entstanden zu verschiedenen Epochen und unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Es gibt sowohl Bilder von Künstlern, wie die Serie der Fischer von New Haven, die 1843 von Hill und Adamson aufgenommen wurden, als auch offizielle Aufträge von Napoleon III. – anlässlich der Gründung eines Heims für die auf Baustellen verletzten Arbeiter oder über die Überschwemmungen der Rhône -, sowie soziologische Studien, wie die 1919 im Auftrag einer karitativen Einrichtung ausgeführte Reportage über die jüdischen Gemeinschaften in Polen...
Die Abzüge legen ebenso wie die Werke von Daumier, Courbet, Millet und Doré Zeugnis von der Existenz der neuen Helden ab. Während sie anfangs nur als Vertreter einer Klasse angesehen werden, erlangen sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Status vollwertiger Individuen.

Ausstellungsleitung

Françoise Heilbrun, Chefkonservatorin im Musée d'Orsay, unter der Mitarbeit von Saskia Ooms und Laura Braemer

16 Oktober 2007 - 6 Januar 2008
Musée d'Orsay

Fotogalerie


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