Gegenüberstellungen
Musée d'Orsay / Moderne Kunst

ARCHIV
2006

Diese Veranstaltungen beruhen darauf, dass ein zeitgenössischer Künstler unter den im Museum ausgestellten Werken eines auswählt und ein eigenes Werk parallel dazu vorstellt. Aus dem so entstehenden Dialog erwächst die Möglichkeit, die Sammlungen in neuem Licht zu sehen und ihre immer noch aktive Modernität ganz anders zum Schwingen zu bringen.

 

 

Paul Cézanne, Die Brücke von Maincy, um 1879
Jeff Wall, Rear view, open air theatre

Der kanadische Künstler Jeff Wall hat mit seinen Arbeiten zu den Transparencies dazu beigetragen, der Fotografie als künstlerischem Medium ihre aktuelle Bedeutung zu sichern. Es handelt sich um Farbfotografien, die in erleuchteten Kästen ausgestellt werden und so im Spiel mit dem Licht mal ganz spontane Schnappschüsse, mal subtile, sorgfältige Konstruktionen zu sein scheinen. Das ist überhaupt das Bestreben seiner Kunst: er will, gewandt und überlegt, alle Mittel der Fotografie in einem engen Bezug mit dem bildlichen Schaffen zum Einsatz bringen. Der Ausdruck „peintre de la vie moderne“ (Maler des modernen Lebens), der im 19. Jahrhundert gern gebraucht wurde, wird auch von Wall oft benützt. Er fühlt sich den Malern Manet, Degas und Cézanne eng verwandt. Ihre Malweise liefert ein System von Referenzen, die auch auf seine Fotografien anwendbar sind. Deshalb hat er Die Brücke von Maincy von Cézanne gewählt.

Claude Monet, Die Kathedralen von Rouen, 1893

François Morellet, Trois Démonétisations (Drei Demonetisierungen)

Bei François Morellet bezieht sich das Kunstwerk immer nur auf sich selbst – aus dem Titel (oft voll beißenden Humors, der Künstler liebt auch das schriftstellerische Schaffen) lässt sich die Genese ablesen. In den sechziger Jahren begann Morellet mit Neonröhren zu arbeiten. An der Grenze zwischen Minimal-Art und Konzeptkunst schafft er ein rigoroses Werk, frei von jeglichem Gefühl, dafür aber von einer aktiven Neutralität. Die örtlichen Verhältnisse der Installation werden sorgfältig ausgelotet: die Beziehung des Werks zu seiner Umgebung ermöglicht seine unendliche Ausdehnung. François Morellet hat sich Claude Monet und seiner Serie der Kathedralen von Rouen (1892-1893) ausgesucht: „Was ich wähle ist ja ganz klar, die Folge der Kathedralen von Monet drängt sich mir geradezu auf: sie ist großartig, systematisch, obstinat und provozierend.“

Ausstellungsleitung


Serge Lemoine, Präsident des Musée d'Orsay unter der Mitarbeit von Olivier Gabet, Konservator im Musée d'Orsay

24 Oktober 2006 - 14 Januar 2007
Musée d'Orsay

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