Misia, die Salonfürstin von Paris

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2012

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Musik war ihr Leben

Pierre BonnardMisia am Klavier© ADAGP, Paris © DR
Misia war keine Künstlerin, doch durch ihren regelmäßigen Kontakt mit Künstlern und dank ihrer magnetischen Ausstrahlung wurde sie zur Muse und Mäzenin, die den Zeitgeschmack mehrere Jahrzehnte lang prägte.
Als Tochter einer Musikerfamilie spielte sie schon in sehr jungen Jahren Klavier und setzte ihre Ausbildung unter der Leitung von Gabriel Fauré (1845-1924) fort. Sie war eine ausgezeichnete Interpretin und gab 1892 ihr erstes öffentliches Konzert, lehnte jedoch eine musikalische Karriere ab. Sie spielte nur für ihr Vergnügen und zur Unterhaltung ihrer Freunde.

Edouard VuillardMisia am Klavier© Jean Vong Photography Inc, New York
Auf mehreren Porträts ist sie im Kreis ihrer Freunde am Klavier in ihrem Salon in der Rue Saint-Florentin zu sehen. Die Bilder zeigen entweder Nahaufnahmen oder breite Panoramaansichten, die auch die Umgebung mit einschließen. Es sind durchweg sehr persönliche Porträts von Misia, der die Musik Zuflucht und geselliges Beisammensein bot.
Ihre musikalischen Vorlieben sind sehr vielfältig. Sie interpretierte leidenschaftlich gern Beethoven, Schubert und Chopin, begeistert sich aufgrund ihrer Freundschaft mit Mallarmé für Debussy und für Ravel, der ihr 1906 Le Cygne widmete, der nach Gedichten von Jules Renard (Histoires naturelles) entstanden war und 1920 das sinfonische Gedicht La Valse. Im neuen Jahrhundert wandelt sich der Geschmack Misias. Ihr Interesse gilt nun Satie, Stravinski, Auric und Poulenc.

Misia zur Zeit der Revue blanche

Alfred Natanson Mittagessen im Relais in Villeneuve-sur-Yonne© Cliché musée d'Orsay / Patrice Schmidt
1889 gründen die Söhne von Adam Natanson – Alexandre, Thadeus und Alfred – in Brüssel die kulturelle und künstlerische Zeitschrift La Revue blanche (1889-1903), die sich durch ihr weißes Deckblatt auszeichnete. Als Sprachrohr progressiver Meinungen zieht sie die besten und innovativsten Schriftsteller und Künstler jener Epoche an. Sie beschäftigt sich mit Politik, Kunst und Gesellschaft und dient um die Jahrhundertwende als Forum für aktuelle Debatten.

Henri de Toulouse-LautrecPlakat für La Revue blanche© Bibliothèque Nationale de France, Paris
Misia, die 1893 Thadeusz Natanson geheiratet hatte, nimmt an diesem intellektuellen Leben nicht teil, empfängt jedoch die engsten Mitarbeiter ihres Gatten mit offenen Armen: Coolus, Vuillard, Bonnard, Vallotton, Toulouse-Lautrec, sie alle sind in sie verliebt. Sie verkörpert das Ideal der eleganten Pariserin und Leserin der Revue blanche.

Die Landwohnsitze der Natanson, La Grangettein Valvins und Le Relais in Villeneuve-sur-Yonne, bildeten die Fortsetzung der Büroräume der Zeitschrift. Anhand der zahlreichen Fotografien und Gemälde, auf denen Misia omnipräsent ist, wird deutlich, dass hier Ideen und Idyllen entstanden und beendet wurden.

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