Archive des Traums, Zeichnungen des Musée d’Orsay: Werner Spies hat freie Hand

Léon SpilliaertDigue la nuit. Reflets de lumière© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt © ADAGP, Paris 2014
Das Musée d'Orsay besitzt rund 80 000 Zeichnungen, darunter 19 000 Zeichnungen aus dem Bereich angewandte Kunst und Architektur, sowie über 700 Pastelle. Aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit werden die Zeichnungen nur sehr selten ausgestellt. Sie werden nach Format und Schule sortiert gemeinsam mit den Werken der vorigen Jahrhunderte großteils in der Abteilung für grafische Künste des Louvre aufbewahrt.
Sie sind der Öffentlichkeit in einem Lesesaal im Depot zugänglich. Die sorgfältig geordneten Archive werden sich wohl niemals vollständig dem Betrachter offenbaren.

Doch diese noch immer lebendigen Werke entziehen sich der Wirklichkeit und werden zu einer Traumwelt. Die Zeichnung ist aufgrund ihrer Ursprünglichkeit dem Schöpfungsakt am nächsten, sie hat eine dienende Funktion für die anderen Künste, die Geste des Künstlers ist noch nicht endgültig. Der Künstler irrt sich, überarbeitet, verbessert, verändert, spielt mit möglichen Varianten. Die Zeichnung legt Zeugnis von diesem Schöpfungsprozess ab.
Unter diesen tausenden von vorbereitenden Blättern befinden sich auch „schöne Blätter”, die schon ein in sich vollendetes Werk sind. Ganz gleich ob es sich um eine Skizze oder ein vollendetes Werk handelt, die Zeichnung trägt immer die Handschrift des Künstlers. Da die Zeichnung nur wenig Material und einen leicht zu handhabenden Träger erfordert, bietet sie ideale Experimentiermöglichkeiten. Das Künstlertagebuch umfasst Selbstporträts, Notizen zum Alltag und Fragmente aus der Welt, fantastische und traumhafte Visionen.

Die Auswahl von rund 200 Zeichnungen ist bei weitem nicht repräsentativ für die Sammlung, die aufgrund ihrer Komplexität nicht in einer einzigen Ausstellung präsentiert werden kann. Werner Spies, der mit den bedeutendsten Zeichnern des 20. Jahrhunderts, darunter Ernst und Picasso, befreundet war, hatte bei der Zusammenstellung der „Archive des Traums” freie Hand.

Kuratoren

Werner Spies, Kunsthistoriker, ehemaliger Direktor des Musée national d'art moderne, Centre Georges Pompidou
Leïla Jarbouai, Konservatorin für grafische Künste im Musée d'Orsay

Ausstellungskataloge mit der Unterstützung von LVMH / Moët Hennessy. Louis Vuitton und American Friends Musée d'Orsay







Mit der Unterstützung von Tollens für den Farbbeitrag




26 März - 30 Juni 2014

Paris, Musée national de l'Orangerie


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