Degas und der Akt

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Edgar DegasFrau trocknet ihren Nacken© Photo Florian Kleinefenn
Die Aktdarstellung spielt während der gesamten künstlerischen Laufbahn Edgar Degas’ (1834-1917), von Anfang 1850 bis kurz vor dem ersten Weltkrieg, eine herausragende Rolle. Durch seine Tänzerinnen, Pferderennen und Großstadtmotive wurde er zwar berühmt, doch dank der Aktmalerei gelang es ihm, rund fünfzig Jahre lang seinen Stil zu erneuern und weiter zu entwickeln.

Degas erweist sich in den verschiedensten Bereichen als Erneuerer der schönen Künste. Die gewählten Werke für diese Ausstellung vermitteln einen Eindruck von den unterschiedlichen Techniken, die Degas in seinem Streben nach neuen Ausdrucksformen verwendet.
Neben der Zeichnung und der Malerei widmet sich der Künstler insbesondere dem Pastell. Er schätzt diese Technik aufgrund der schnellen Ausführungsmöglichkeiten und des flexiblen Gestaltungsprozesses, da kein Trocknen erforderlich ist. Degas macht unter anderem auch durch die Wiederentdeckung der Monotypie, eines Einmaldrucks, von sich reden, die er teilweise mit Pastellkreide überarbeitet. Er versucht sich auch an der Radierung, der Druckgrafik und an der Plastik, der er sich ab Ende 1880, als seine Sehkraft allmählich nachlässt, verstärkt widmet.

Edgar DegasFrau im Bad© 2011 AGO
Diese erste monografische Ausstellung zur Aktdarstellung, vermittelt einen Überblick über die gesamte Laufbahn des Künstlers. Sie präsentiert alle Techniken, die er von seiner akademischen Ausbildung bis zu den extrem schematischen Figuren und während seiner naturalistischen Periode verwendete. Degas zeigt keinen idealisierten Akt, er stellt den unbekleideten Körper in einer vollkommen neuartigen Weise dar.
Dank der Auswahl einiger Werke von zeitgenössischen Künstlern, die ihn beeinflussten (Ingres, Delacroix), die zur selben Zeit wirkten (Caillebotte, Renoir) oder von ihm inspiriert wurden (Matisse, Picasso), stellt die Ausstellung „Degas und der Akt” Degas’ Werk in den Kontext seiner Entstehungszeit.
Anliegen der Schau ist es, hervorzuheben warum Degas für die Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts eine so wichtige Rolle spielt. Die Werke, die aufgrund ihrer Verschiedenartigkeit und ihrer Empfindlichkeit nur selten gemeinsam präsentiert wurden, veranschaulichen insbesondere seine Fähigkeit, die klassische Kultur seiner Zeit mit der Avantgarde des 20. Jahrhunderts zu verknüpfen.

Der klassische Körper: die ersten Aktdarstellungen

Edgar DegasJunge Spartanerin© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Gérard Blot
Wie alle angehenden Künstler seiner Epoche widmet sich Degas im Laufe seiner Ausbildung auch der Aktzeichnung. Die Aktzeichnung, die als die schwierigste und lehrreichste Übung gilt, wird nach den Regeln der Akademie im Atelier von Barrias (1822-1907) und Lamothe (1822-1869) unterrichtet. Die beiden Künstler, bei denen Degas seine Lehre beginnt, stehen in der Nachfolge von Ingres.
In jener Zeit erlernen die Künstler die Aktdarstellung, indem sie antike Skulpturen oder die alten Meister kopieren oder lebende Modelle darstellen.

Edgar DegasJunge Spartanerinnen fordern Jünglinge heraus© The National Gallery, London
Degas wird sich zuerst im Louvre und im Kupferstichkabinett der Bibliothèque nationale, später dann während seiner Italienreise von 1856-1859, wo er Museen und die berühmtesten Monumente der Renaissance besucht, mit der Kunst der alten Meister beschäftigen. Sie wird ihn während seiner gesamten Laufbahn (einschließlich die avantgardistischeren Werke) begleiten.

Degas sucht in der Vergangenheit nicht etwa nach einem Vorbild, dem er treu folgen will, sondern es geht ihm darum, verschiedene Ansätze zu studieren, die es ihm ermöglichen werden, seinen eigenen Weg zu finden. Diese umfassende Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Schaffen seiner Vorgänger war von großer Bedeutung für die Entwicklung seiner einzigartigen Kunst, wenngleich er sich zu Beginn seiner Karriere der Historienmalerei widmete, die in der akademischen Ordnung die wichtigste Bildgattung war.


Für das Gemälde Junge Spartanerinnen fordern Jünglinge heraus bedient er sich zwar eines antiken Motivs, doch angesichts der zahlreichen Vorstudien wird offensichtlich, dass es dem Künstler vor allem eine Gelegenheit bietet, seine Recherchen zum menschlichen Körper umzusetzen. Seine Zeichnung steht im Einklang mit den Lehren der Akademie, aber die Gestik lässt schon hier seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe erkennen.

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