Picasso / Manet : Frühstück im Grünen

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1954: Kopie/Interpretation/Variation.

Pablo PicassoStudie nach dem „Frühstück im Grünen„© Succession Picasso 2008 - RMN-Grand Palais / Béatrice Hatala
Die 1932 angekündigte Auseinandersetzung mit dem Werk beginnt allerdings erst vierundzwanzig Jahre später. Picasso schreibt 1954 auf das Deckblatt eines Skizzenhefts: „ERSTE Zeichnungen/zum Frühstück im Grünen/1954”. Der Künstler führt vier Entwürfe zum Frühstück, aus, drei entstanden am 26. Juni 1954, die letzte am 29.


Die erste Zeichnung erfasst die gesamte Bildkomposition des Frühstücks. Nichts fehlt, weder die Landschaft, das Stillleben noch die vier Figuren: die Badende, der Mann links, der den Arm ausstreckt (Manets Schwager, Ferdinand Leenhoff), die nackte Frau (Victorine Meurent, das Lieblingsmodell des Malers) und hinter ihr die zweite männliche Figur (einer der Brüder Manets, Eugène oder Gustave).
Den zweiten Entwurf vom 26. Juni widmet Picasso der Position der vier Figuren. Auf dem dritten stellt er die Gesichter von Victorine und Ferdinand dar.

Und die Studie vom 29. Juni zeigt eine originalgetreue, naturalistische und liebevolle Ansicht der vier Figuren.


Picasso ergreift von Manets Werk, seines Aufbaus, seiner Figuren, ihrer Beziehung untereinander, die schon eine Veränderung erfahren hat, Besitz. Er kopiert und interpretiert zugleich und schafft sofort ein eigenständiges Werk wie schon 1954 mit Delacroix' Frauen aus Algier oder 1957 mit Velasquez' Die Hoffräulein en 1957. Nach dieser Anfangsphase verändert er den Aufbau, er übernimmt die Führung wie dies Manet mit den beiden Werken tat, die ihm als Vorlage dienten. Sowohl für Picasso als auch für Manet sind die Themen Kopie und Anleihe aktuell.

Bis August 1959 setzt sich Picasso mehrmals erneut mit Manets Gemälde auseinander.Von diesen zahlreichen Bildern geht kein Schmerz aus: nur Freude, Vergnügen, Ironie, bisweilen Schauspielerei. Der Maler braucht noch eine Weile, bis er die für Manet charakteristische „Angst” im Griff hat.



1960: Das Sujet

Im August 1959 beschäftigt sich Picasso erneut mit Frühstück im Grünen, er fertigt sechs Zeichnungen dazu an.
Am 27. Februar 1960 beendet er seine erste gemalte Version des Frühstück. Die Landschaft hellt sich auf, die Badende aus dem Hintergrund gesellt sich zu den beiden Männern. Victorine wird dick wie ein Ballon, ihr Nachbar schrumpft.Zwei Tage und zwei Gemälde später beschränkt sich die Landschaft auf den vage angedeuteten Gipfel eines Hügels mit zwei Bäumen. Ferdinand, der „Schwätzer”, wie ihn Douglas Cooper nennt (Picasso. Les Déjeuners, 1962), schwadroniert noch immer vor einer nun schlankeren Victorine.
Sein Nachbar wird Pfeife rauchend dargestellt.


Pablo PicassoFrühstück im Grünen nach Manet, 3. März-20. August 1960© Succession picasso 2008 - RMN-Grand Palais (Musée Picasso) / Jean-Gilles Berizzi
Anfang März nimmt Picasso zwei vollkommen verschiedene Gemälde in Angriff. Bei dem ersten gilt sein Augenmerk der Farbe, bei der zweiten knüpft er an den Cloisonnismus an, den der Künstler gegen Ende des Krieges entwickelt hatte. Das Gemälde ist nüchtern, die Palette grün und schwarz. Die Figuren isolieren sich voneinander und Picasso schließt diese erste Serie mit einer vollkommen neu gestalteten Komposition ab, als habe er dem Werk dank der wochenlangen Auseinandersetzung einen neuen, solideren Aufbau verliehen.


Picasso verändert den Platz der Protagonisten. Victorine und der „Schwätzer” sind die Stützen des Werks. Die beiden anderen sind unbedeutender, sie erhalten eine neue Funktion. Mal treten sie in den Hintergrund mal werden sie stärker zur Geltung gebracht. Picassos Victorine hat nichts mit der schamlosen Badenden von Manet gemein. Sie sieht den Betrachter nicht mehr an, sondern tritt mit der Figur ihr gegenüber in einen stillen Dialog. Eine neue Szene setzt sich durch, die in Verbindung zu dem Thema steht, das Picassos Spätwerk kennzeichnet: der Dialog zwischen dem Maler und seinem Modell, dem Maler und der Malerei.

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