Max Ernst. "Une semaine de bonté" - Die Originalcollagen

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Zeichnung
Max ErnstZweites sichtbares Gedicht 1© Photo Peter Ertl. © ADAGP, Paris 2009
Freitag
Element: Sicht
Beispiel: L'intérieur de la vue [Das Innere der Sicht]
Trois poèmes visibles [Drei sichtbare Gedichte]
„Wenn drei größer als sechs ist, ziehen Sie einen Kreis um das Kreuz, und wenn Wasser das Feuer löscht, ziehen Sie die Linie des Eimers mit einer Kerze, über das Messer hinweg, dann machen Sie ein Kreuz auf der Leiter.“ Prof. O. Decroly und R. Buyse (Les tests mentaux [Geistiges Training]).

Auf die unruhigen Szenen der vorausgehenden Collagen folgen in erster Linie emblematische Bilder. Bei einigen Collagen verwendet Ernst eine Technik, die er vor allem am Anfang seiner Karriere verwendet hat: die „synthetische Collage“. Diese Kompositionen bestehen aus heterogenen, auf einem weißen Blatt angeordneten Elementen. Um sie miteinander zu verbinden, vervollständigt der Künstler die Zwischenräume mit Tinte oder Bleistift. Im Allgemeinen entsteht eine Szene, die an eine weite Landschaft erinnert.

Premier poème visible [Erstes sichtbares Gedicht]
„Et j'oppose à l'amour
Des images de toutes faites
Au lieu d'images à faire.“
Paul Eluard (Comme deux gouttes d'eau [Wie zwei Wassertropfen])

Deuxième poème visible [Zweites sichtbares Gedicht]
„Ein absolut weißer Mann und eine absolut weiße Frau.“ André Breton (le revolver aux cheveux blancs [Der weißhaarige Revolver])

Zeichnung
Max ErnstLa clé des chants 1 [Der Schlüssel des Gesangs 1]© Photo Peter Ertl. © ADAGP, Paris 2009
Samstag
Element: Das Unbekannte
Beispiel: La clé des chants [Der Schlüssel des Gesangs]
„…………
…………
…………
…………“
Pétrus Borel (Was-ist-das)

In diesem letzten Teil verlassen Frauen im Trancezustand ihr Bett und ihr Schlafzimmer, um davon zu fliegen. Anhand dieser gebeugten Gestalten bringt Max Ernst seine surrealistische Faszination für die Hysterie zum Ausdruck, eine befreiende und inspirierende Krankheit: „Es lebe […] die Hysterie und ihr Geleit von jungen, nackten Frauen, die an den Dächern entlang gleiten. Das Problem der Frau in dieser Welt ist alles das, was schön und unruhig ist“ (André Breton, Manifestes du surréalisme [Manifest des Surrealismus], Paris, Jean-Jacques Pauvert, 1962).

Bislang wurden die Originalcollagen des Bilderromans Die weiße Woche. Ein Bilderbuch von Güte, Liebe und Menschlichkeit, die Max Ernst sein ganzes Leben aufbewahrte, nur ein einziges Mal in ihrer Integralität (bis auf fünf Blätter, die als zu blasphemisch galten) ausgestellt. Das war im März 1936 in Madrid vor Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs im Museo Nacional de Arte Moderno. Die Ausstellung ist deshalb ein hervorragender Anlass, diesen gut verwahrten Schatz erneut ans Licht zu bringen. In diesem bedeutenden surrealistischen Werk des 20. Jahrhunderts kommt der Wille von Max Ernst zum Ausdruck, Kategorien und Genregrenzen zu überschreiten.

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