Die Hand

Fotografie
Bronia Wistreich-WeillDie gefalteten Hände© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Gérard Blot
Bei den ersten Fotografien ist die Position der Hände für das Modell, das einen würdevollen Eindruck machen will, genauso wichtig, wie für den Fotografen. Brav auf die Knie oder auf ein Buch gelegt, die Stirn oder das Kinn stützend, eine Hand unter den Westenaufschlag geschoben, all diese Haltungen sind nicht zufällig. Als die Fotografen beginnen, sich vom kodifizierten Werk zu entfernen, die Persönlichkeit des Modells darzustellen, vergessen sie nicht, dass die Hand, nach dem Gesicht, der persönlichste Körperteil ist. Sie bittet, droht oder betet. Sie bettelt, umfasst oder streichelt. Sie dient dem Tänzer, dem Mimen, dem Schauspieler als Ausdrucksmittel... Ihr kommt im Schaffensprozess eine grundlegende Rolle zu.

Kann die Hand als Teil eines Ganzen angesehen werden, so wird sie in dieser Ausstellung auch als autonomes Fragment betrachtet. Maler und Bildhauer stellen direkt das Fragment, Kopf, Fuß, Hand dar, der Fotograf dagegen muss es durch die Wahl des Blickwinkels und der Beleuchtung isolieren. Diese Details bilden ein wahrhaftiges „Körperteilalphabet“ und werden für die Ausbildung der Künstler ausgiebig benützt.

Von Disderi bis Nadar, von Auguste Vacquerie bis Alfred Stieglitz, die ausgewählten Werke sind beispielhaft für die kommerziellen und künstlerischen Gepflogenheiten, die die fotografische Produktion bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts charakterisieren. Sie zeigen anonyme Hände, aber auch die von Nijinsky und Deburau, dem Mimen, von Isadora Duncan und von Bernard Shaw, von Edgar Degas und von François Pompon...

Ausstellungsleitung


Joëlle Bolloch, Dokumentarin im Musée d'Orsay.

19 Juni - 30 September 2007
Musée d'Orsay

Fotogalerie

 


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