Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildet sich in England die Schauerliteratur heraus, die das Publikum durch ihren mysteriösen und makaberen Charakter begeistert. Die bildenden Künste folgen diesem Beispiel: in ganz Europa wetteifern die schaurigen, grotesken Welten der Maler, Radierer und Bildhauer mit jenen der Schriftsteller: Goya und Géricault führen die absurden Greueltaten der Kriege und Katastrophen ihrer Zeit vor Augen, Füssli und Delacroix illustrieren die Schreckgespenster, Hexen und Dämone von Milton, Shakespeare und Goethe, während C.D. Friedrich und Carl Blechen das Publikum in geheimnisvolle, unheimlich anmutende Landschaften entführen.
Angesichts der Nichtigkeit und Ambiguität des Fortschritts interessieren sich ab 1880 zahlreiche Künstler für die schwarze Romantik. Sie lassen die Mythen wieder aufleben und machen sich die Erkenntnisse der Traumdeutung zunutze, um dem Menschen seine Ängste und Widersprüche vor Augen zu führen: die jedem Menschen inhärente Grausamkeit und Boshaftigkeit, die Gefahr einer kollektiven Degeneration, die beklemmende Wunderlichkeit des Alltags, die in den fantastischen Erzählungen von Poe oder de Barbey d’Aurévilly aufgedeckt wird. So tauchen während der zweiten industriellen Revolution Hexen, grinsende Skelette, unförmige Dämone, lüsterne Teufel, unheilvolle Zauberinnen … auf, die herausfordernd die Desillusion der Gegenwart versinnbildlichen.
Als nach dem Ersten Weltkrieg die Surrealisten die Tiefen des Unbewussten, Traum- und Rauscherlebnisse als Quelle künstlerischer Eingebung verwerten, werden endgültig die realistischen Werte umgestürzt. Zur selben Zeit kann man im Kino Frankenstein, Faust und weitere Meisterwerke der schwarzen Romantik sehen, die nun definitiv das kollektive Unbewusste erfasst.
Im Anschluss an die Ausstellung im Städel Museum in Frankfurt präsentiert das Musée d’Orsay die verschiedenen Facetten der schwarzen Romantik von Goya und Füssli bis Max Ernst und zu den expressionistischen Filmen der 20er Jahre. Die Schau umfasst eine Auswahl von 200 Werken: Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Filme.
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Ausstellungsleitung
Dr. Felix Krämer, Leiter der Kunst des 19. Jahrhunderts im Städel Museum von Frankfurt am MainCôme Fabre, Konservator für Malerei im Musée d'Orsay
Die Ausstellung wurde vom dem musée d’Orsay, Paris, und Städel Museum, Frankfurt ausgerichtet.
Die Ausstellung ist vom 26. September 2012 bis 20. Januar 2013 im Städel Museum in Frankfurt am Main zu sehen
Die Ausstellung ist vom 26. September 2012 bis 20. Januar 2013 im Städel Museum in Frankfurt am Main zu sehen
Diese Ausstellung erhält die Unterstützung von Roland Berger Strategy Consultants.



