Max Klinger
Kassandra

Kassandra
Max Klinger (1857-1920)
Kassandra
Um 1893
Bronzebüste
H. 59,5; B. 32; T. 35 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Thierry Ollivier

Cassandre [Kassandra]


In der Mythologie ist Kassandra eine trojanische Prinzessin, die von Apollo die Gabe der Vorhersehung erhalten hat. Doch da Kassandra den Gott verschmähte, verfluchte er ihre Gabe, damit ihren Vorhersagen niemals Glauben geschenkt wird. Folglich hört man nicht auf sie, als sie den Brand und Untergang Trojas vorhersagt und dem legendären Pferd den Zutritt in die Stadt verweigern will. Als Hinweis auf die Vorhersage und die dadurch verursachte Angst hat Max Klinger für die Augen Karneol, einen feuerroten Stein, in die dunkle Bronze des Gesichts eingelegt.

Die erste Version dieser Skulptur war aus Marmor mit einem Faltenwurf aus hellem Alabaster, Augen aus gelbem Bernstein und einem Sockel aus rotem Marmor. Die Gesichtszüge wurden im nachhinein auf den Marmor gemalt. Das Exemplar aus Bronze wirkt beeindruckender und morbider. Es gibt mehrere, mit und ohne Arme.

Kassandra ist charakteristisch für den Symbolismus, eine Kunstströmung, die in den 1880er Jahren entstand und sich in ganz Europa durchsetzte. Klinger war einer der bedeutendsten Vertreter in Deutschland. Er beschäftigt sich viel mit dem Motiv der Femme fatale, verwendet ungewöhnliche Materialien und Techniken, begeistert sich für fragmentarische Werke mit unregelmäßigem Rand, die befremdend anmuten.


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