Musée d'Orsay: Architektur und Zeichnen

Architektur und Zeichnen

Architekturen der Musen und des Amüsements

Orte der Unterhaltung in den Sammlungen des Musée d'Orsay

Hinteres Kirchenschiff

Zeichnung
Eugène GrassetFassade mit breitem Mauergiebel und Dekor für das Kabarett "Le Chat Noir"© Musée d'Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt
Nach der Zerstörung des sog. "Boulevard du Crime" (Straße des Verbrechens, Vergnügungsmeile im Paris des 19. Jahrhunderts) im Zuge der Umbauarbeiten von Baron Haussmann verhilft der Bau des neuen Pariser Opernhauses der Theaterszene zu neuer Dynamik.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts stellen die Variationen des Pariser Archetyps eine nicht wegzudenkende Unterhaltung dar. Die gestalterische Freiheit der Theater, die durch den Erlass von 1864 verfügt wird, führt zur Eröffnung zahlreicher, zum Teil kurzlebiger Bühnen. Ihre Formen und Programme zeichnen sich durch eine zunehmend hybride Gestaltung aus, manchmal zugunsten der Neuheiten, die von den Universalausstellungen präsentiert werden, wie z. B. der Festsaal im Palais du Trocadéro 1878 oder das Eiffelturm-Theater 1889.

Diese Schauplätze, die anspruchsvolle Programme bieten und eine große stilistische Vielfalt fördern, ziehen die Architekten der Avantgarde wie Hector Guimard an. Parallel dazu verschwimmen die Grenzen zwischen Architektur und Unterhaltung mit fantasievollen Dekorationen, die den öffentlichen Raum erobern, wie z. B. im Projekt von Grasset für das Théâtre du Chat Noir. Umgekehrt verlassen die Architekturschüler der Pariser Kunstakademie ihre Ateliers während der "Bals des Quat'z'Arts" und organisieren ihre eigenen "Schattentheater".