Musée d'Orsay: Das Kino kehrt ins Musée d'Orsay zurück!

Das Kino kehrt ins Musée d'Orsay zurück!

Salle 47© Musée d'Orsay / Sophie Crépy
Nur wenige Kunstmuseen, die dem 19. Jahrhundert gewidmet sind, behandeln die Entwicklung des Kinos im Rahmen ihrer ständigen Ausstellungen. Das ist nun geschehen mit der Renovierung der Säle im 5. Stock. In den südlichen Kabinetten werden ca. 15 jeweils drei- bis siebenminütige Filme oder Ausschnitte auf drei Bildschirme mit Tonuntermalung projiziert. Die Themen werden erneuert, um die verschiedenen Ansätze zu beleuchten, mit denen das frühe Kino behandelt wird, und die großen Meilensteine seiner Erfindung (1895-1914) zu entdecken. Das Musée d'Orsay knüpft damit an seine Ursprünge an: Ab der Eröffnung 1986 war einer der Ausstellungsbereiche der Entstehung dieses Mediums gewidmet. Als ein wichtiges Mittel zum Verständnis der Welt des 19. Jahrhunderts sowie der Entwicklung der Moderne ist die siebte Kunst nun ein vollständiger Bestandteil des Besichtigungsrundgangs.

Von den Anfängen des Kinos bis zu seiner Anerkennung

Das Kino wird gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Ingenieuren und Industriellen entwickelt, die in unterschiedlichem Ausmaße die Techniken der fotografischen Aufzeichnung, Bildanimation und Projektion kombinieren. Kinetoscope von Edison, Kinematograph von Louis und Auguste Lumière, Theotrograph von Paul oder auch Bioskop der Brüder Skladanowski. Sehr rasch werden Tonuntermalung, Farbe und sogar das Relief erforscht!

Auch wenn die ersten Betreiber sich vom Repertoire in den Bereichen Malerei, Fotografie und Theater inspirieren lassen, gehen sie weit darüber hinaus und nutzen die völlig neuen Möglichkeiten der Montage. Zeichen- und Trickfilme, rekonstruierte Aktualitäten, komische Ansichten, Verfolgungsjagden, Western, sog. serials, Melodrame, Kunstfilme: Dutzende Genres entwickeln sich und werden innerhalb von zwei Jahrzehnten kodifiziert, um ein breites Publikum zu begeistern.

Das Kino ist zunächst eine Attraktion, die einem einfachen Publikum vorbehalten ist und in den Hintersälen von Cafés, Jahrmärkten oder Kaufhäusern gezeigt wird. Anschließend etabliert es sich in eigenen Kinosälen, die von der sozialen und kulturellen Elite besucht werden. Künstler oder Kritiker (wie Abel Gance im Jahr 1912) betrachten das Kino nun als "sechste Kunst".

Erstes Programm: Das Kino der Anfangszeit stellt sich vor

Saal 47, ab September 2019

Von Anfang an erzählt das Kino Geschichten.... über sich selbst und offenbart seine Kulissen. Aufnahmen von Dreharbeiten, Vorführung der Funktionsweise von Geräten und Verfahren, Fiktionen, welche die Teams an den Filmsets in Szene setzen: Es gibt unzählige Genres, welche die Triebfedern der neuen Industrie präsentieren.

Während die Namen der Betreiber, der ersten "Kinematographen" oder der Schauspieler noch nicht im Abspann aufscheinen, liefern sich Erfinder, Studios und Produktionshäuser erbitterte Kämpfe, um die Urheberschaft der Systeme oder die Originalität der kreierten Welten zu beanspruchen und Nachahmungen zu verhindern. Obwohl die Identität der Unternehmen manchmal in einer Werbung angezeigt wird, erscheint sie ebenfalls in Form eines Logos inmitten der Filmkulissen.

Die Szenarien beleuchten ebenfalls, was im Kinosaal geschieht, wo der Zuschauer versucht, in das Geschehen auf der Leinwand einzutauchen. Dieses entstehende Medium macht sich über sich selbst lustig, analysiert sich, lässt seine kurze Entstehungsgeschichte Revue passieren - und erfindet sich selbst als Kunst.

Kurator

Marie Robert, leitende Kuratorin

George NicholsCharlie the Actor© Lobster Films
Segundo de ChomónModerner Bildhauer© Archives Françaises du Film
Emile CohlPhantasmagorie© Gaumont Pathé Archives
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