Musée d'Orsay: Fotografische Hängung

Fotografische Hängung

Bilder der Armen, Bilder der Armut: Die soziale Frage im Blick der Fotografen

Raumen 17 und 21 bis zum 26. Mai

positif
AnonymeHuit enfants assis dans la rue, dans le ghetto© Musée d'Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt
Ab den 1840er Jahren verweist die "soziale Frage" auf das neue Bewusstsein der Intellektuellen (Schriftsteller, Wissenschaftler, Politiker) für die zunehmende Zahl der Arbeiter sowie die Armutsanfälligkeit der Massen. Diese wachsende soziale Schicht entstand im Zuge der industriellen Revolution in der westlichen Welt und ist mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert: häufig menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, ungesunder Wohnraum, fehlende Absicherung gegen Lebensrisiken (Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, Alter), politische Hilflosigkeit. Der Begriff, der von den Eliten geprägt wurde, vermittelt die Auffassung, dass die Zunahme der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ungleichheiten den Gesellschaftsvertrag bedroht und schwere Konflikte hervorrufen kann. Die vorgeschlagenen Antworten fallen sehr unterschiedlich aus: Liberalismus oder Sozialismus, Paternalismus oder Solidarismus, Syndikalismus oder Reformismus etc.

Radikale Veränderung der Arbeitsbedingungen, prekäre Lebensverhältnisse der Arbeiterschaft, Auswüchse des wirtschaftlichen Liberalismus, Verbreitung der anarchistischen Ideen bei den Arbeiterklassen.... Im 19. Jahrhundert äußert sich in der "sozialen Frage" die Besorgnis der gesellschaftlichen Eliten in Europa und Nordamerika. Die Absichten der Fotografen, die sich mit diesem Thema beschäftigen und deren Bilder in unseren Sammlungen vertreten sind, sind äußerst vielfältig, wie auch die Zweckmäßigkeit ihrer Fotoproduktionen. Welche Gemeinsamkeiten bestehen in der Tat zwischen den Vorstudien im Atelier, die mitunter als künstlerische Vorlage dienen, den Genreszenen, die im Visitenkarten-Format verbreitet werden, den Inszenierungen mit künstlerischem Anspruch für Ausstellungen oder Veröffentlichungen in Luxus-Zeitschriften, den Auftragsfotografien zur Dokumentation umfangreicher Bauarbeiten oder den Studien, um Öffentlichkeit und Behörden über die herrschenden Zustände zu alarmieren? Vielleicht das Mitgefühl mit diesen einfachen Menschen, deren Lebensbedingungen beleuchtet werden.

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Kuratorium

Marie Robert, leitende Kuratorin, Musée d'Orsay

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