Musée d'Orsay: Hommage an Françoise Cachin

Hommage an Françoise Cachin

Edouard Manet
 (1832-1883)
 Berthe Morisot au bouquet de violettes [Berthe Morisot mit Veilchenstrauß]
 1872
 Öl auf Leinwand
 H. 55; B. 40 cm.
 Paris, Musée d'Orsay, aus der Gesamthandsgemeinschaft Clément Rouart erworben, mit Unterstützung des Fonds du Patrimoine, der Fondation Meyer, der China Times Group und eines Kunstsponsoring, das von der Zeitung Nikkei koordiniert wurde, 1998.
Edouard ManetBerthe Morisot mit Veilchenstrauß© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Das Musée d’Orsay trauert um eine der herausragenden Persönlichkeiten der Musées de France und der Kunstgeschichte.

Françoise Cachin ist in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar gestorben. Sie war von 1986 bis 1994 die erste Direktorin des Musée d’Orsay und Wegbereiterin der weiteren Entwicklung des Museums.

Die Enkelin des neo-impressionistischen Malers Paul Signac, dem sie 2000 ein Werkverzeichnis gewidmet hatte, und des Gründers der kommunistischen Partei Frankreichs, kam als Tochter des Kinderarztes Charles Cachin und Ginette Signacs, einer großzügigen Mäzenin der französischen Museen, zur Welt. Das Museum ist stolz darauf, die 1976 den staatlichen Museen gestifteten Gemälde Abendlied von Henri-Edmond Cross und Hafeneinfahrt von La Rochelle von Paul Signac, ausstellen zu können.

Françoise Cachin arbeitet zuerst als Kuratorin des Musée national d’art moderne im Palais de Tokyo und dann im Centre Pompidou. 1969 kuratiert sie eine Retrospektive von Paul Klee. Ab 1978 gehört sie unter der Leitung von Michel Laclotte zum Planungsstab des zukünftigen Musée d'Orsay und bereitet unter anderem 1981 die Pissarro-Ausstellung vor, die unter der Schirmherrschaft des zukünftigen Museums stattfindet. 1983 organisiert sie eine große Manet-Retrospektive im Grand Palais, deren Ausstellungskatalog noch heute als Referenz gilt.

Im Dezember 1986 wird sie kurz nach der Eröffnung zur Direktorin des Musée d’Orsay ernannt. Dank ihres anspruchsvollen Ausstellungsprogramms und ihrer einzigartigen Kulturpolitik genießt das Museum in Kürze internationales Ansehen. Sie organisiert gleichzeitig zwei Epoche machende Ausstellungen: 1989 Gauguin und 1991 Seurat. Ihr verdanken wir es auch, dass die legendäre doch nahezu geheim gehaltene Barnes Sammlung in Frankreich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Sie knüpft enge Kontakte zu Philippe Meyer, dessen Schenkungen maßgeblich zur Bereicherung der Sammlungen des Museums beitragen.

1994 wird sie zur Direktorin der Musée de France ernannt und arbeitet zum Schutz der Sammlungen ein Museumsgesetz aus [„Loi des musées”]. Parallel zu diesen Aufgaben widmet sie sich weiterhin der Kuratierung von Ausstellungen und präsentiert 2001 im Grand Palais die Schau Signac. 2001 geht sie in den Ruhestand und wird zur Mitbegründerin der Stiftung FRAME (French Régional and American Museum Exchange), die sie bis 2007 betreut.

Ihre festen Überzeugungen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Wir werden insbesondere Stellungnahmen wie den Artikel „Les musées ne sont pas à vendre” [Die Museen sind nicht zu verkaufen], den sie 2007 gemeinsam mit Jean Clair und Roland Recht in Le Monde veröffentlichte, im Gedächtnis bewahren. Auch die Erinnerung an ihre außergewöhnliche Scharfsichtigkeit und geistige Aufgeschlossenheit wird lebendig bleiben. Noch heute gelten die von ihr verfassten Kataloge, Manet, Gauguin und Seurat, als Standardwerke, auf die wir alle uns berufen haben. Das Musée d'Orsay wollte sie anlässlich einer herausragenden Veranstaltung ehren: die Ausstellung Manet, der Erfinder der Moderne die in knapp zwei Monaten eröffnet wird.

Guy Cogeval, Präsident de l’Établissement public des Musées d'Orsay et de l'Orangerie

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