Musée d'Orsay: Restaurierung von Die Reue von Baader

Restaurierung von Die Reue von Baader

Zur Feier seines 30-jährigen Bestehens unternimmt das Musée d'Orsay die Restaurierung mehrerer Werke seiner Sammlungen, für die seit der Museumseröffnung im Jahr 1986 kein Platz in den Museumssälen gefunden wurde. Diese Restaurierungen erfolgen im Rahmen der Politik zur präventiven Erhaltung der Werke - eine der Hauptaufgaben des Museums.
Dies gilt insbesondere für einige akademische Gemälde in großem und mittelgroßem Format, die das Publikum während ihrer Restaurierung oder anlässlich ihrer Ausstellung in den renovierten Sälen ab 2018 entdecken kann.

Restaurierung von "Le Remords" [Die Reue] (1875) von Baader



Louis BaaderDie Reue (vor der Restaurierung)© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Dieses Werk zeigt eine Episode der griechischen Mythologie und inszeniert Orest, den Sohn Agamemnons und Klytaimnestras. Einige Jahre nach der Ermordung des Königs durch seine Gemahlin und ihren Liebhaber Ägisthes beschließt Orest, seinen Vater zu rächen, indem er das Paar tötet.
Die Götter sind über den Muttermord entsetzt und senden Rachegöttinnen, die sog.  Erinnyen, um ihn heimzusuchen und zu quälen.

Dieses großformatige Gemälde mit mythologischer Thematik wurde im Salon von 1875 ausgestellt und dem Künstler vom Staat für das Stadtmuseum von Dole abgekauft.
Es wurde 1981 dem zukünftigen Musée d'Orsay in Hinblick auf seine Eröffnung 1986 zugesprochen, infolge von im Laufe der Zeit aufgetretenen erheblichen Beschädigungen konnte das Werk allerdings nicht in den Museumssälen ausgestellt werden.
Die Restaurierung von Le Remords von Baader ermöglicht die Entdeckung eines der Vorzeigewerke der akademischen Kunst unter der III. Republik, das seit 1875 nicht mehr in Paris gezeigt wurde.

Sie erfolgte vor den Augen des Publikums in zwei Phasen zwischen November 2015 und Februar 2016, beginnend mit der Restaurierung der Trägerstruktur (Rahmen und Leinwand) und gefolgt von jener der Malschicht.
Die Risse in der Leinwand wurden repariert und die Verformungen korrigiert. Durch die Entfernung der oxidierten und unregelmäßigen Firnisschichten konnten die Farbnuancen restituiert und die ursprüngliche Pracht des Gemäldes wiederherstellt werden.

 

Die Phasen der Restaurierung

Le Remords während der Restaurierung

Die Ziele


Die Restaurierung von Le Remords von Baader verfolgt zwei Hauptziele:
- Konsolidierung der empfindlichen Bereiche
- Wiederherstellung der Lesbarkeit des Werks (Restitution der Farbtiefe, Entfernung von oberflächlichen Unstimmigkeiten, Behandlung der lückenhaften Bereiche).

Ein Restaurierungsprotokoll in folgenden Phasen wurde erstellt:
- allgemeine Reinigung
- Reduzierung und Vereinheitlichung der Firnisschichten
- ästhetische Restaurierung






Studie des Werks


Detail von Le Remords von Louis Baader© Alix Laveau
Vor jeder Intervention führt das Restaurierungsteam eine Studie über das Werk, die verwendeten Materialien und die Technik des Künstlers durch.
Die Trägerstruktur ist eine Leinwand, die auf einen Rahmen gespannt ist, der auf die letzte Restaurierung im Jahre 1981 zurückgeht. Es handelt sich um ein Ölgemälde auf weißer Unterlage.

Baader malt eine erste flüssige Schicht, auf die er je nach Protagonisten oder Landschaften dickere Farben aufträgt. Sein bisweilen energischer Pinselstrich folgt den Formen.
Dieser nervöse Stil kontrastiert mit den Bereichen im Hintergrund, die sehr ebenmäßig gearbeitet sind, unter Anwendung einer Technik, die den dramatischen Aspekt der Szene hervorhebt.
Die Variationen der Farbauftragsdicke schaffen unterschiedliche Glanzeffekte. Dies wird besonders durch die verschiedenen hellen Hautnuancen verdeutlicht.

Riss© Alix Laveau
Nach der Realisierung seines Werks trägt der Maler mit einem breiten Pinsel rasch einen Firnis (Schutzlack) auf und kümmert sich dabei wenig um Verdickungen und Ablaufspuren, wie die Beobachtung des Gemäldes unter UV-Licht zeigt. Dieser Firnis ist heute beschädigt und vergilbt.
Der Künstler arbeitet zu einem späteren Zeitpunkt erneut am drapierten roten Tuch, das den toten Ägisthes bedeckt. Unter UV-Licht wird ersichtlich, dass die letzten Rotglasuren besonders beeinträchtigt sind.
Das Blau der zentralen Figur ist ebenfalls instabil. Der Firnis weist Mikrorisse auf und hat die Farbstruktur beeinträchtigt.

Die Studie des Gemäldes ermöglicht die Bestimmung der verschiedenen Beschädigungen, die im Laufe der Zeit aufgetreten sind. An der Oberfläche wurden ebenfalls verschiedene Risse, Abschabungen, Brüche, Spritzer, Ablaufspuren oder Schwammabwischspuren festgestellt.

Interventionen am Werk:


Vor und nach der Firnisreduzierung© Alix Laveau
Die Restauratoren bearbeiten ebenfalls die Rückseite des Gemäldes: Diese Interventionen an der Trägerstruktur der Malschicht sollen das Gemälde konsolidieren und sichern. Dies erfolgt durch:
- Behebung der Verformungen
- Korrektur früherer Restaurierungen
- Reparatur von Rissen und Brüchen

Bevor eine Restaurierungstechnik für die Malschicht gewählt wird, werden Tests für die Reinigung und Firnisreduzierung durchgeführt.
Das vorgeschlagene Protokoll wird dann von den Konservatoren validiert, und die Restaurierung der sichtbaren Seite des Gemäldes kann beginnen.

Nach einer allgemeinen Reinigung, der Reduzierung und Egalisierung des Firnisses kann die ästhetische Restaurierung beginnen.
Die Risse werden geschickt retuschiert, andere kleinere Beschädigungen werden punktuell im Stichverfahren nachgemalt.

 

Diese Initiative wird vom Hauptsponsor des Musée d'Orsay Crédit Agricole d'Ile-de-France Mécénat unterstützt.

Der verglaste Bereich wurde realisiert mit der großzügigen Unterstützung von:

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