Musée d'Orsay: Eugène Atget Freudenmädchen wartend

Eugène Atget
Freudenmädchen wartend

La Villette, rue Asselin, Strassenmädchen vor ihrer Haustür
Eugène Atget (1857-1927)
La Villette, rue Asselin, Strassenmädchen vor ihrer Haustür
1921
Albuminabzug von Glasnegativ nach dem Silberbromid-Gelatine-Verfahren
H. 22,5; B. 17,8 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Gérard Blot

La Villette, Rue Asselin, Freudenmädchen vor seiner Türe wartend


Im Frühjahr 1921, wahrscheinlich auf Anfrage des Malers und Sammlers erotischer Bilder André Dignimont realisiert Atget ein Dutzend Fotografien von Prostituierten und Bordellen für ein Publikationsprojekt, das nie zustande kommen sollte.

Er stellt seine imposante schwarze Dunkelkammer mit Faltbalg in Versailles sowie in Paris auf, auf der Seite von Fort-Montjo, diesem Teil des 19. Arrondissement, wo sich in den zwei Straßen Rue Monjol und Rue Asselin (heute Rue Turot) niedrige Häuser aneinander reihen, die durchgehend für Freier geöffnet sind.

Auf einem Strohsessel sitzend verharrt die Frau in einer wartenden routinierten Haltung, die den von Atget verliehenen Titel unterstreicht. Die hohe Feinheit der Details und der beim Abzug erzielte gewaltsame Kontrast fügen dieses Freudenmädchen in den ureigenen Kontext eines Ortes ein, der sowohl die Stigmata der städtischen Gesellschaftsverhältnisse als auch jene der sozialen Marginalität trägt. Der leicht verschobene Aufnahmewinkel, das Muster der groben Pflastersteine und das subtile Linienspiel erweitern den Raum und orientieren den Blick zur schwarz klaffenden Öffnung der Türe.

Dieses Bild, das mit einigen anderen von Man Ray entdeckt und ab 1926 in einem Album vereint wurde, wird nach dem Tod des Fotografen sehr rasch zu einem historischen Symbol des Mediums und macht den gewissenhaften und beharrlichen Künstler, der das alte Paris archiviert hat, zu einem der Gründerväter der Moderne.




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