Musée d'Orsay: Paul Sérusier Tetraeder

Paul Sérusier
Tetraeder

Tetraeder
Paul Sérusier (1864-1927)
Tetraeder
Um 1910
Öl auf Leinwand
H. 92; B. 56 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand-Palais / Patrice Schmidt

Tetraeder


Das Gemälde Tetraeder von Paul Sérusier ist von schwebenden Objekten in einem orientierungslosen Raum bevölkert und Teil eines Zyklus geheimnisvoller Malereien, die den Symbolismus bis in die Abstraktion steigern.
Etwas Mystisches spielt sich in diesem Werk ab, das das Interesse des „Nabi mit dem leuchtenden wallenden Bart“ für die Esoterik der Farben und Formen widerspiegelt. Allerdings steht die Geometrie bei Sérusier vor allem in Dienste seiner ästhetischen Bedürfnisse, denn er folgt mehr einer philosophischen Kontinuität als einem Formenkanon.

Dieses Gemälde soll um 1910 entstanden sein, während Sérusier von 1908 bis 1912 an der Académie Ranson lehrt. Seine Kurse, die 1921 unter dem Titel ABC der Malerei veröffentlicht wurden, beinhalten in der Tat einen Abschnitt, der den Zahlen und Proportionen gewidmet ist und das dem Werk Tetraeder innewohnende Vorhaben verdeutlicht, mittels einer symbolistischen Darstellung die engen Verbindungen zwischen Mensch und Kosmos neu zu formulieren.

Tetraeder bildet mit Goldzylinder (Musée des Beaux-arts de Rennes) und Die Ursprünge (Privatsammlung) eine einmalige Einheit innerhalb des Schaffens von Sérusier.
Anlässlich eines seltenen öffentlichen Auftritts 1947 im Rahmen einer Retrospektive im Palais Galliera wurden drei Werke als Tryptichon zum Thema des Ursprungs der Welt und des Universums ausgestellt. Allerdings bleibt Tetraeder das abstrakteste der drei Werke.
Im Unterschied zu Goldzylinder oder Die Ursprünge, die einen Raum beibehalten, in dem eine Horizontlinie erkennbar bleibt, ist die Tiefe Tetraeder kaum mehr von einer Form der Farbperspektive geprägt.

Dieses Gemälde betont die permanenten Erforschungen in Bezug auf die Darstellung von Sérusier im Sinne der Verwendung abstrakter Formen, lange nach der stilprägenden Lektion, die Gauguin dem jungen Paul Séruisier im Bois d'Amour erteilte, sowie Talisman im Jahr 1888.
Somit kann die bedeutende und doch wenig bekannte Etappe der darstellerischen Erforschungen in Richtung einer abstrakten Andeutung der Formen beleuchtet werden. Auf diese Weise wird eine völlig neue Auslegung der Kunstgeschichte in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts vorgeschlagen.




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