Musée d'Orsay: Emile Gallé Vase mit Meeresdekor

Emile Gallé
Vase mit Meeresdekor

Rollenförmige Vase mit Meeresdekor
Emile Gallé (1846-1904)
Rollenförmige Vase mit Meeresdekor
1902-1903
Geblasenes mehrschichtiges Glas, Metalleinlagen, radgraviertes Dekor, Applikationen
H. 28,2; B. 9 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt


Rollenförmige Vase mit Meeresdekor

Rollenförmige Vase mit Meeresdekor


An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert werden die Fauna und Flora der Meere, Ozeane und Flüsse zu einem darstellerischen Schwerpunkt im Zuge der Erneuerung der dekorativen Künste: Kritiker und Kommentatoren erkennen einhellig eine ergiebige Quelle an neuen, originellen und natürlichen Formen und Motiven.
Emile Gallé ist da keine Ausnahme, denn in seinen letzten Lebensjahren erforscht er im Zuge seines künstlerischen Schaffens bewusst das Kunstthema des Meeres.

Dieses Sujet ist für ihn allerdings nicht neu, denn es taucht seit den 1870er Jahren regelmäßig in seinem Werk auf. Es nimmt jedoch während dieser Schaffensperiode eine ganz andere Größenordnung ein und erreicht 1904 seinen Höhepunkt mit Main aux algues et aux coquillages [Hand mit Algen und Muscheln], dessen schönstes Exemplar im Musée d'Orsay aufbewahrt wird.
Diese rollenförmige Vase ist von spiralförmigen Wellen durchzogen, die vom eingravierten Dekor zusätzlich hervorgehoben werden. Die Andeutung der somit kreierten Wirbel der Untiefen dient als Hintergrund für eingravierte Muscheln, von denen einige durch Blattgold in der Modellierpaste betont werden.

Wie so oft ist die Farbe, die Gallé für die Darstellung der Meerestiefen wählt, keinesfalls naturgetreu: Hier handelt es sich um Rot.
Die zeitgenössischen Kommentatoren interpretieren diese Polychromie : sehr unterschiedlich und wahlweise als Überreste eines Wracks, durch Algen gefiltertes Licht, Quallen oder Korallen, Spiegelungseffekte der Sonne auf der Wasseroberfläche, Schimmer von Perlmutt… dadurch wird die Verbindung zwischen der symbolischen Dimension und naturalistischen Präzision berücksichtigt, welche die Arbeit von Gallé zu diesem Zeitpunkt seines Schaffens charakterisiert.

Die aquatischen Modelle dienten ihm als eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Malsujets, künstlerische und technische Herausforderungen. Er fand darin vor allem den Vorwand, seine Talente im Bereich der Glasverarbeitung meisterlich unter Beweis zu stellen.




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