Musée d'Orsay: Emile Gallé Flakon-Vase

Emile Gallé
Flakon-Vase

Flakon-Vase
Emile Gallé (1846-1904)
Flakon-Vase
Zwischen 1892 und 1900
Geblasenes mehrschichtiges Glas, Metalleinlagen, radgraviertes Dekor, Applikationen
H. 21; B. 11,5 cm
© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt


Flakon-Vase

Flakon-Vase


Dieser Flakon mit Weintraubenmotiv ist auf 1890 datiert, als sich Emile Gallé im Zuge seines künstlerischen Schaffens mit dem Kunstthema der Weintraube auseinandersetzte. Diese Vase erinnert an den Flakon Raisins mystérieux [Geheimnisvolle Trauben], den er 1892 für den Grafen Robert de Montesquiou in Anlehnung an dessen Gedichte kreiert hatte. Sie weist aber vor allem eine große Ähnlichkeit zu einem anderen Flakon auf, der heute im Suntory Museum von Tokio aufbewahrt wird.
Vielleicht inspirierte Raisins mystérieux [Geheimnisvolle Trauben] Gallé dazu, weitere Exemplare dieser Kunstform anzufertigen, die in seinem Werk relativ selten vorzufinden ist und vermutlich von den traditionellen chinesischen Steinfläschchen beeinflusst wurde, die er selbst als "Spirit Bottle" bezeichnete.

Die rege kreative Vorstellungskraft von Gallé begnügte sich nur selten mit der Ausführung eines einzigen Stücks, und er fertigte meistens unzählige Varianten in verschiedenen Formen und mit unterschiedlichsten Dekoren an.
Somit können diese drei Flakon-Vasen als Teil einer Serie betrachtet werden, wobei es sich bei diesem Exemplar um das einzige Stück ohne Inschriften handelt. In der Tat sind keine Texte eingraviert, während auf Raisins mystérieux [Geheimnisvolle Trauben] vier Verse von Montesquiou zu sehen sind. Die Vase von Suntory weist Verse von Baudelaire auf.

Das Dekor ist dennoch sehr schön ausgearbeitet, und der Bereich, der auf den anderen Vasen den Zitaten vorbehalten ist, wurde hier mit eingravierten Motiven verziert.
Die Unterseite des Sockels ist ebenfalls äußerst sorgfältig bearbeitet und mit einer Chrysanthemenblüte verziert. Die verschiedenen Techniken, die für dieses Werk verwendet wurden (mehrschichtiges Glas, Metalleinlagen, Dekorapplikationen mit Glasstücken und Blattgold), zeugen im Übrigen von der besonderen Sorgfalt, die bei der Fertigung aufgewendet wurde.

Der Vergleich der drei Flakon-Vasen zeigt letztendlich eine Variation in den Farbtönen, von Dunkelviolett über leuchtendes Rot bis Hellrosa.
Diese drei Farbnuancen erinnern gleichzeitig an die Reifung der Trauben und geheimnisvolle Alchimie der alkoholischen Gärung, durch die der süße Traubensaft in einen edlen Trank verwandelt wird.




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