Musée d'Orsay: Józef Mehoffer (1869-1946). Ein polnischer Symbolist

Józef Mehoffer (1869-1946). Ein polnischer Symbolist

ARCHIV
2004

Gemälde
Józef MehofferDer seltsame Garten© Musée national de Varsovie
Das Musée d'Orsay widmet dem polnischen Maler Józef Mehoffer (Ropczyce, 1869-Wadowice, 1946) eine Ausstellung. Dies ist keine Retrospektive sondern eine Veranstaltung, die dem französischen Publikum rund dreißig Gemälde und Kartons für Fresken und Glasmalereien aus der Zeit, die vom Musée d'Orsay abgedeckt wird, präsentieren soll. In Frankreich ist von diesem beeindruckenden Künstler nur eines seiner Meisterwerke bekannt, Der seltsame Garten (Warschau, Nationalmuseum), das zwei Mal in Paris in den Galeries nationales du Grand Palais anlässlich des Symbolismus in Europa (1976) und 1900 (2000) zu sehen war. Eine solche Ausstellung ist integraler Teil der Museumspolitik, das Kunstschaffen ausländischer Künstler jener Zeit bekannt zu machen und wurde 1996 mit der Ausstellung des deutschen Malers Adolph Menzel eingeleitet.

Gemälde
Józef MehofferSelbstporträt© Musée national de Poznán
Im Rahmen dieses Programms stand die polnische Kunst schon einmal im Zentrum des Interesses: Im Jahr 2000 war das Werk des um einige Jahre älteren Malers Jacek Malczewski (1854-1929) präsentiert worden. Alle beide zählen zu den herausragenden Figuren der Avantgarde, die um die Jahrhundertwende unter der Bezeichnung „Junges Polen” von sich reden macht. Der Name deutet darauf hin, dass es den Künstlern darum geht, mit dem Erbe der Vergangenheit zu brechen.

Mit diesem Ziel begab sich Mehoffer entgegen der Ansicht seines Meisters Jan Matejko, des Direktors der Akademie der Schönen Künste in Krakau, der für die Darstellung tragischer und ruhmreicher Episoden der polnischen Geschichte berühmt wurde, 1891 nach Paris. Er blieb bis 1895 in Frankreich – dieser Aufenthalt kommt auf der Ausstellung durch zwei Werke von 1894, die im Nationalmuseum von Poznán aufbewahrt werden, Place Pigalle in Paris und Selbstporträt zur Geltung. Vor dieser Reise hatte er ein Studienjahr in Wien verbracht. Schon zu Lebzeiten war der Künstler weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Für seine Teilnahme an der Weltausstellung in Paris 1900 und in Saint Louis 1904 wurde er mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Er war übrigens auch Mitglied der Wiener Secession.

Aquarell
Józef MehofferSternenengel© Museum Narodowe w Krakowie
Diese Öffnung nach außen war seinem aktiven Einsatz um die Anerkennung einer nationalen Kunst keineswegs abträglich. 1897 ist Mehoffer einer der Mitbegründer der Gesellschaft Sztuka, die die Unabhängigkeit der polnischen Kunst durchsetzen will und es von nun ab ablehnt, in anderen Ländern im Rahmen der russischen, österreichischen oder deutschen Abteilung auszustellen

Aquarell
Józef MehofferEngel© Musée National de Poznán
Der Künstler zeichnet sich insbesondere durch seine monumentale Kunst aus. Dies wird angesichts der beeindruckenden Kartons (Krakau, Nationalmuseum, und Poznan, Nationalmuseum), die er von 1901 bis 1903 für Fresken für Nationaldenkmäler wie die Kathedralen von Wawel und Plock ausgeführt hat, besonders offensichtlich.

Glasfenster
Józef MehofferCaritas© Musée National de Cracovie
Er wird sich rund vierzig Jahre lang als Dekorationsmaler vor allem einem ganz besonderen Projekt widmen: Im Anschluss an einen internationalen Wettbewerb, den er 1895 gewonnen hatte, wird er für die Kathedrale Saint-Nicolas in Freibourg (Schweiz) dreizehn Glasfenster anfertigen. Diese prächtigen, reich verzierten Kompositionen, in denen die menschlichen Figuren in einer künstlichen, dekorativen Natur in leuchtenden Farben eingebettet sind, sind dem Symbolismus und Art nouveau sowie der nationalen Tradition verpflichtet.

Gemälde
Józef MehofferMeduse© Musée de l'Université Jagellone
Das gleiche gilt für seine Gemälde. Nicht nur die Themen - Die Muse, 1904 (Krakau, Nationalmuseum) oder auch Medusa, 1904 (Krakau, Museum der Universität Jagellons) - auch seine Ablehnung des Naturalismus, der Tiefenwirkung zugunsten dekorativer Zeichnungen und Farben veranschaulichen diese Tendenz.

Gemälde
Józef MehofferBildnis der Frau des Künstlers auf gelbem Grund© Musée National de Varsovie
Dieser Aspekt spiegelt sich ganz besonders in der eindrucksvollen Porträtreihe - in ganzer Figur und Brustbilder – wider, die der Künstler von seiner Frau schuf. Die elegante Silhouette, die bisweilen hieratische Darstellung von Jadwiga Mehoffer und die ruhige Schönheit ihres Gesichts heben sich von dem reich verzierten Untergrund ab, der mit den prächtigen Stoffen der Kleidung des Modells verschmilzt. Diese Gestaltungsform war auch für die Künstler der Wiener Secession bezeichnend. Auch hier ist es Jadwiga, die sich in einen schillernden, raschelnden Seidenstoff gehüllt mit ihrem nackten, blonden Sohn an einem heißen Sommertag in einer surrealistisch anmutenden, üppigen Natur ausruht, Der seltsame Garten, das noch immer Rätsel aufgibt.