Musée d'Orsay: Henri "Le Douanier" Rousseau. Die archaische Unschuld.

Henri "Le Douanier" Rousseau. Die archaische Unschuld.

ARCHIV
2016

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Einleitung


Henri RousseauDie Vertreter der ausländischen Mächte grüßen die Republik als Zeichen des Friedens© RMN-Grand Palais (musée Picasso de Paris) / René-Gabriel Ojéda
Es ist unmöglich, die Arbeit von Henri Rousseau mit einer Etikette zu versehen: auch sein künstlerischer Werdegang und seine Malkunst sind absolut einzigartig.
Rousseau stammte aus einfachen Verhältnissen und war ein autodidaktischer Maler, der von seinen ersten Biographen als "dilettierender Sonntagsmaler" bezeichnet wurde.

Er war lange beim Zoll von Paris angestellt (daher der Spitzname "Le Douanier" (d.h. der Zöllner), der ihm in angemessener Weise von seinem Freund Alfred Jarry verliehen wurde) und begann im Alter von 40 Jahren zu malen. Zwar hat er nie eine akademische Ausbildung abgeschlossen, er versuchte aber, die Grundsätze der offiziellen Malkunst bei Malern wie Gérôme und Clément, deren Nachbar er eine Zeitlang war, oder Bouguereau, dessen "Inkarnat" er bewunderte, zu erlernen.
1884 erhielt der Malstudent die Genehmigung, Kopien im Louvre anzufertigen. Er begab sich auch ins Musée du Luxembourg oder nach Versailles.

Rousseau befolgte allerdings ausschließlich seine eigenen Regeln, indem er den glatten gleichmäßigen Stil der akademischen Maler in eine einzigartige traumähnliche Kunstsprache verwandelte. Er war sich der Originalität seiner Kunst überaus bewusst und legte großen Wert darauf, seine scheinbare Naivität zu bewahren, die er - nach eigenen Worten - "durch beharrliche Arbeit" erworben hatte.
Besonders auffällig an seinen Werken sind diese konstante Art des Malens und die Einheitlichkeit des Stils, nachdem er die entsprechenden Grundlagen erworben hatte.

Die Einzigartigkeit des Gesamtwerks von Henri Rousseau stellt einen der interessantesten Fälle der Kunstgeschichte um die Jahrhundertwende dar: War er ein typischer Vertreter des 19. Jahrhunderts oder ein Protagonist des 20. Jahrhunderts? Die Debatte bleibt offen.
Um diese Frage erneut zu vorzubringen, stellt diese Ausstellung seine Gemälde einigen seiner Inspirationsquellen gegenüber und initiiert einen Dialog zwischen ihnen und den Werken jener Künstler, die sie betrachtet haben. In der Tat waren die Künstler der Avantgarde (Schriftsteller, Dichter, Maler) die ersten, die sich für sein Werk interessierten, vielleicht aufgrund seines "zeitlosen" Charakters: Indem Rousseau sich von den Zwängen der Perspektive befreite und eine realistische Bildersprache verwendete, um eine bildliche Vorstellung auf die Leinwand zu übertragen, konstruierte er ein Werk, das für zahlreiche Künstler einen Grundstein für die Erarbeitung einer neuen Kunstsyntax darstellte.

Picasso, Delaunay, Léger, aber auch die Künstler der italienischen und deutschen Avantgarde, in erster Linie Kandinsky, bewunderten nicht nur die Werke von Rousseau als Inspirationsquelle für ihre eigenen Arbeiten, sondern sammelten sie auch.

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