Musée d'Orsay: Ferdinand Hodler (1853-1918)

Ferdinand Hodler (1853-1918)

ARCHIV
2007

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Die Nacht (1889-1890)

Ferdinand HodlerDie Nacht© Kunstmuseum, Bern
In der Die Nacht stellt sich der Maler dar, wie er vom Geist der Nacht aus dem Schlaf gerissen wird. Er ist von ineinander verschlungenen schlafenden Männern und Frauen umgeben, man erkennt Selbstbildnisse und die Porträts von zwei Frauen, mit denen Hodler damals sein Leben teilt: Augustine Dupin, die Lebensgefährtin des jungen Künstlers und Mutter seines Sohnes, seine Gattin Bertha Stucki, von der in Kürze wieder geschieden wurde.


Wie Courbet in Das Atelier benutzt Hodler das Selbstbildnis, um über einen Lebensabschnitt Bilanz zu ziehen.
Er verleiht dem Gemälde die Dimensionen eines Historienbildes.

Dieses Werk ist für Hodler von universeller Tragweite: es symbolisiert nicht einen bestimmten Augenblick sondern die Essenz selbst von Nacht und Tod. Dem Künstler gelingt hier eine bisher unerreichte Verbindung von extremem Realismus und strenger dekorativer Ordnung, die prägend für den Hodlerschen Symbolismus sein wird.
Wie bei Puvis de Chavannes, den Hodler sehr bewunderte und der sich ganz besonders für Die Nacht einsetzte, befinden sich die Paare in einer Komposition ohne Tiefenwirkung, Figuren und Linien rhythmisieren den Raum.

Ferdinand HodlerDie Wahrheit II© 2007, Kunsthaus Zurich
Die symmetrische Anordnung der Figuren sowie die Frontalität sind kennzeichnend für sein berühmtes Kompositionsprinzip des Parallelismus (den Hodler als die Wiederholung gleicher Formen definierte), das den Schlüssel zu seiner Kunst darstellt. Der Parallelismus ist nicht nur ein formales Kompositionsprinzip sondern eine philosophische Auffassung, derzufolge die natürliche Ordnung auf Wiederholung beruht und sich die Menschen im Grunde gleichen.

Die realistische Darstellung der Nackten und die Haltung der ineinander verschlungenen Paare der Nacht erregen im Februar 1891 in Genf großes Aufsehen. Das Gemälde wird von der Genfer Ausstellung ausgeschlossen.
Hodler organisiert eine private Ausstellung, mit dem Erlös der Eintrittsgelder kann er nun endlich seinen langjährigen Wunsch verwirklichen: die Anerkennung von Paris. Es wird auf dem Salon de la Société nationale des Beaux-Arts ausgestellt und erweckt das Interesse von Puvis und Rodin sowie zahlreicher Kritiker. Hodler triumphiert, selbst wenn der erste Pariser Erfolg noch nicht zu dem ersehnten Ruhm führt. Der Künstler wird bis 1897 jedes Jahr (außer 1896) in Paris ausstellen, er wird jedoch erst 1900 auf der Weltausstellung für Die Nacht mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

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