Musée d'Orsay: Paul Signac (1863-1935)

Paul Signac (1863-1935)

Gemälde
Paul SignacStraße nach Gennevilliers© RMN-Grand Palais/ DR
Diese Retrospektive präsentiert 81 Gemälde und 53 Werke auf Papier von einem Künstler, der lange Zeit im Schatten Seurats stand und dessen letzte monografische Ausstellung 1963, vor über 35 Jahren, im Louvre stattfand.

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Paul SignacDie zwei Zypressen. Opus 241 (Mistral)© RMN-Grand Palais / DR
Die chronologisch ausgerichtete Ausstellung schildert Signacs künstlerische Laufbahn in vier Abteilungen: „Impressionnismus”", „Neoimpressionismus”, „Saint-Tropez” und „Häfen und Reisen”. Für einige besonders wichtige Werke (wie Ein Sonntag, 1888-1890 und Zeitalter der Harmonie, 1893-1895) wurden Dossiers mit den Vorstudien (Gemälde und Zeichnungen) zusammengestellt.

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Paul SignacDie Pont Royal (Paris). Überschwemmungen© RMN-Grand Palais / DR
Signac interessiert sich schon sehr früh für die Malerei: „Meine Familie wollte aus mir einen Architekten machen, doch ich wollte lieber am Seine-Ufer zeichnen als in einem Atelier der École des Beaux-Arts”. Das erste Gemälde von ihm, das sich in unserem Museum befindet, entstand 1881. Er erlernt die Malerei als Autodidakt; er besucht Ausstellungen und Galerien, studiert die Werke von Manet, Monet und den Impressionisten, insbesondere von Guillaumin. Ihrem Vorbild folgend führt er kraftvolle, farbenprächtige Bilder aus: „dazu trägt er Rot, Grün, Blau, Gelb voller Begeisterung dick auf die Leinwand auf”. Doch Signac schuf auch einige durchdachtere Gemälde wie Die Straße von Gennevilliers, 1883.

 

Paul SignacStudie zu Ein Sonntag© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR
1884, als Signac an der ersten Ausstellung der Gruppe Unabhängiger Künstler, die als Protest auf die Ablehnungen der Jury des offiziellen Salons organisiert wurde, teilnimmt, entdeckt er Badende, Asnières von Seurat, dessen Freund er werden wird.

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Paul SignacErste Gedanken zu Ein Sonntag© RMN-Grand Palais / DR
Der Initiative Guillaumins und Pissarros, die sich für die Arbeit dieser jungen Künstler interessieren, ist es zu verdanken, dass sie 1886 auf der achten und letzten Ausstellung der Impressionisten teilnehmen dürfen: Seurat präsentiert Ein Sonntagnachmittag auf der Insel la Grande Jatte und Signac unter anderem Gaskessel, Clichy, das deutlich zu erkennen gibt, dass er die divisionistische "Technik" Seurats übernommen hat. Die Methode beruht auf der Beobachtung optischer Gesetze vom gleichzeitigen Kontrast der Farben, die ihr Freund, der Kunstkritiker Félix Fénéon, in Kürze als "Neoimpressionismus" bezeichnen wird.

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Paul SignacSaint-Briac. Bojen. Opus 210© Collection particulière
Mehrere Freunde von Signac – denn der Maler ist sehr gesellig und verfügt über einen großen Bekanntenkreis – werden sich auch dem Neoimpressionismus zuwenden: Charles Angrand, Albert Dubois-Pillet, Henri-Edmond Cross und in Belgique, Théo van Rysselberghe.
Bis zum Tod von Seurat 1891 arbeitet Signac wie sein Freund an Kompositionen mit Figuren (Das Speisezimmer, Ein Sonntag), Landschaften und sein Interesse für Segelschiffe führt ihn dazu, in der Bretagne und in Südfrankreich Seebilder zu malen, die regelmäßig auf dem Salon des Indépendants und dem Salon des XX in Brüssel ausgestellt werden.

 

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Paul SignacConcarneau. Abendruhe. Opus 220 (Allegro maestoso)© DR
1892 entdeckt er Saint-Tropez (1897 kauft er sein Haus, La Hune). Dort findet er die zur Arbeit notwendige Ruhe, bricht seine Verbindung zur Hauptstadt jedoch nicht ab. Seine Gemälde werden immer farbenprächtiger (Segelboote im Hafen von Saint Tropez, Die Zypressen), er schafft großformatige Kompositionen wie Das Zeitalter der Harmonie, das von seinen anarchischen Ansichten zeugt.

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Paul SignacSaint-Tropez, der Strand les Graniers © DR
"Harmonie" wird zu seiner Devise. Der Künstler wendet sich von der Malerei vor dem Motiv ab, er zieht es vor, anhand von "Zeichnungen", zumeist Aquarellen, die Gemälde in seinem Atelier auszuführen; sein Pinselstrich wird breiter, seine Palette beschränkt sich auf reine Farben. Dies und sein berühmter Aufsatz Von Eugène Delacroix zum Neoimpressionismus (1899) bringen ihm das Interesse von Matisse und der Fauves ein.

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Paul SignacLe Pardon des Terre-neuvas. Saint-Malo© DR
Er malt immer weniger, widmet sich vor allem dem Aquarell, das dem unsteten Leben, das er damals führt, besser entspricht. Kunsthändler richten zwar mehrere monografische Ausstellungen aus(1902, 1904, 1907), doch er verfügt nun über einen festen Kundenstamm und über eine einflussreiche Stellung als Künstler: Er ist von 1909 bis zu seinem Tod 1935 fast ohne Unterbrechung der Präsident der Société des Indépendants. Aus einem Brief von Cross an Van Rysselberghe (1905) wird offensichtlich, dass seine Zeitgenossen ihn als großen Koloristen betrachten: "Signacs Gemälde sprechen den Maler in mir an; ich betrachte sie gern aus der Nähe und aus der Ferne. Seine Farbenspiele sind so wunderschön wie gelungene Verbindungen von Edelsteinen."