Musée d'Orsay: Henri de Toulouse-Lautrec. Entschlossen modern

Henri de Toulouse-Lautrec. Entschlossen modern

Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901) 
 Panneau pour la baraque de la Goulue, à la Foire du Trône à Paris [Tafel für den Stand von la Goulue auf der Foire du Trône in Paris]
 1895
 Öl auf Leinwand
 H. 298; B. 316 cm
 Paris, Musée d'Orsay
Henri de Toulouse-LautrecTafel für den Stand von la Goulue auf der Foire du Trône in Paris© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR
Ab 1992 und der einzigen Retrospektive, die dem Künstler in Frankreich bislang gewidmet wurde, haben viele Ausstellungen den Versuch unternommen, das Werk Toulouse-Lautrecs (1864-1901) wieder in der „Montmartre-Kultur“ zu verankern. Mit der unentwegten Hervorhebung der Bedeutung des Kontexts oder der Folklore des Moulin Rouge haben wir die ästhetische, poetische und vielleicht sogar politische Ambition Lautrecs aus dem Blick verloren.

Wie seine Korrespondenz bezeugt, ermöglichten ihm Manet, Degas und Forain bereits Mitte der 1880er Jahre, seinen kraftvollen Naturalismus in einen markanteren, bissigeren Stil zu verwandeln. Seine kurze Schaffenszeit zeichnet sich in beiden Abschnitten durch deutliche Kontinuitäten aus. Eine davon ist die narrative Komponente, von der Lautrec viel weniger abweicht, als man glauben mag. Besonders ausgeprägt ist sie mit dem nahenden Tod um 1900, als seine Berufung als Historienmaler eine verzweifelte Wendung nimmt.

Die andere Dimension seines Werks, die im Zusammenhang mit seinem Lernen betrachtet werden muss, ist der Wunsch, die Zeit darzustellen, sie bald aber auch dehnen und keineswegs in ihrer Bewegung erstarren lassen zu wollen. Sei es Princeteau, sein Meister der Reitermalerei, Cormon, Sinnbild des energischen Malers, oder Degas, der ihn drängt, die Dynamik jenseits des Tanzes zu verfolgen – Lautrec hat nie aufgehört, Zeit und Raum im Bild eine neue Form zu geben. Dem Künstler ist es gelungen, die subjektive Fragmentierung des Bildes und das Streben, dem Leben der Moderne zu neuen Mythen zu verhelfen, in Einklang zu bringen.

Zwischen Malerei, Literatur und neuen Medien findet die Ausstellung ihren Weg und bleibt dabei stets auf Tuchfühlung mit diesem unfreiwillige Geburtshelfer des 20. Jahrhunderts.


Kommissare

Stéphane Guégan, Wissenschaftlicher Berater der Leitung des Musée d'Orsay und des Musée de l'Orangerie
Danièle Devynck, Direktorin des Toulouse-Lautrec-Museums in Albi


Diese Ausstellung wird von der Réunion des Musées Nationaux (RMN) und dem Établissement Public des Musées d'Orsay et de l'Orangerie in Zusammenarbeit mit dem Museum Toulouse-Lautrec, Albi, organisiert.

9 Oktober 2019 - 27 Januar 2020

Paris, Galeries nationales du Grand Palais


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