Musée d'Orsay: Meijer de Haan, der verborgene Meister

Meijer de Haan, der verborgene Meister

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Sint Antoniebreestraat© Joods Historisch Museum / Jewish Historical Museum, Amsterdam

Kindheit in einem jüdischen Viertel in Amsterdam


Meijer de Haan wird am 15. April 1852 im Herzen des jüdischen Viertels von Amsterdam geboren. Er stammt aus einer wohlhabenden Familie, sein Großvater mütterlicherseits ist ein reicher Stoffhändler und Eigentümer mehrerer Häuser. Über die Jugend Meijers haben wir nur wenige Informationen. Wir wissen nur, dass er in einer großen Familie aufwuchs: Er hat zwei Brüder und eine Schwester, die alle jünger sind als er (ein älterer Bruder starb 1854), seine Eltern teilen ihre Wohnung mit einer Tante mütterlicherseits und einem Onkel und deren sieben Kindern. Zwischen 1867 und 1872 besucht Meijer de Haan den Unterricht von P. F. Greive, der auf pittoreske Fischerszenen spezialisiert ist. Einige Werke aus dieser Zeit sind uns noch erhalten, darunter Stillleben mit Hummer und Zitrone von 1872.

Die medizinische Untersuchung für den Militärdienst gibt uns 1871 folgende Schilderung des jungen Mannes: Er ist blond, hat blaue Augen und leidet an einer „leichten Behinderung”. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um seinen Buckel, der von der Tuberkulose herrührt, an der er sein ganzes Leben lang litt. Da er nur 1,49 m groß ist, wird er nicht zum Militärdienst eingezogen. Folglich kann sich Meijer de Haan ganz seiner Künstlerlaufbahn widmen, was damals keine leichte Wahl bedeutete, da die jüdische Bevölkerung noch Integrationsschwierigkeiten hatte. Er gehört in jener Zeit zu den wenigen Amsterdamer Juden, die Kunstmaler werden wollen. SeinVorhaben wird zweifellos durch die finanzielle Lage seiner Familie erleichtert.
Meijer de HaanTypus oder Porträt einer alten Israelitin© DR

Lehrjahre


1874 wird Meijer de Haan in die Zeichenklasse der staatlichen Kunstakademie aufgenommen. Aufgrund einer Erkrankung, nimmt er nur wenige Monate daran teil, doch in der Folge arbeitet er alleine weiter. Seine Werke lassen den Einfluss seines Lehrers Greive erkennen. De Haan interessiert sich nicht für die künstlerischen Neuerungen seiner Zeit.

In den 1870er Jahren macht die Familie De Haan zahlreiche Veränderungen durch. Samuel, der ältere seiner beiden Brüder, eröffnet 1872 eine Bäckerei. Mietje, die Mutter, stirbt 1875 und 1877 zieht Meijer bei Samuel ein und beteiligt sich am Familienbetrieb, der ihm ein gutes Auskommen sichert. Die Malerei gibt er jedoch nicht auf, er tritt der berühmten.
Künstlergesellschaft Arti et Amiticiae bei, in der Greive aktives Mitglied ist und dem Verwaltungsrat angehört. Über diese Gesellschaft stellt De Haan 1879 und 1880 auf dem Salon in Paris aus und nimmt regelmäßig an der Dreijahresfeier der lebenden Meister teil, die in seiner Heimatstadt ausgerichtet wird.

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