Musée d'Orsay: Eine Ballade über Liebe und Tod: präraffaelitische Fotografie in Großbritannien, 1848-1875

Eine Ballade über Liebe und Tod: präraffaelitische Fotografie in Großbritannien, 1848-1875

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John William InchboldDie Kapelle, Bolton© Northampton, Museum and Art Gallery

Die präraffaelitische Bruderschaft


1848 schlossen sich die Maler John Everett Millais, Dante Gabriel Rossetti und Wiliam Holman Hunt zu einer „präraffaelitischen Bruderschaft” zusammen. Ihr Anliegen war es, mit der akademischen Tradition zu brechen und die britische Malerei, um die es seit Turner schlecht bestellt war, zu erneuern. Sie strebten nach einer vollkommen anderen Malerei, deren detailgetreue Darstellungen aus der Natur schöpften. Als Vorbild dienten ihnen die alten italienischen Meister, die nicht von Raffael und seinen Nacheiferern beeinflusst worden waren.

Roger FentonAbtei von Bolton, Westfenster© National Media Museum, Bradford / Science & Society Picture Library
Manche Fotografen standen in enger Beziehung zu diesen Malern, sie machten Porträts von ihnen, arbeiteten im Freien und blieben den Lehren John Ruskins, dem ersten Fürsprecher der Präraffaeliten, treu. Die Bruderschaft löste sich jedoch schon 1854 wieder auf, da sich William Holman Hunt auf eine Reise ins Heilige Land begab, der Bildhauer Thomas Woolner in der Hoffnung auf eine bessere materielle Situation nach Australien auswanderte und Millais Mitglied der Royal Academy wurde. Millais’ und Rossettis Kunst wurde sinnlicher, sie waren Vorläufer des Aesthetic Movement. Charakteristisch für Millais sind Farben und Rossetti orientiert sich an Tizian und den Venezianern des 16. Jahrhunderts.

John RuskinFreibourg© The Trustees of The British Museum. All rights reserved.

Ruskin


1843 fordert John Ruskin in seinem ersten Band Modern Painters, die Maler auf, im Freien zu arbeiten und die Natur detailgenau darzustellen. Die Präraffaeliten, für die er sich einsetzte, ließen sich von ihm leiten. Sie führten nicht nur ihre Studien im Freien aus sondern auch ihre endgültigen Gemälde. Mag sein, dass diesen Malern in ihrem Streben nach Genauigkeit auch die Naturstudien der Fotografen als Vorbild dienten, die jene in den 1850er Jahren mit Hilfe des Glasnegativs anfertigten.

John Ruskin et Frederick CrawleyFreibourg, Schweiz, Rue de la Palme und Bernbrücke© Droits réservés
Während die Fotografen, die sich als Künstler betrachteten, schon kurz nach der Erfindung des neuen Medium im Jahr 1839 durch die Landschaftsgemälde der Präraffaeliten beeinflusst wurden, hielt Ruskin die Fotografie für „die wunderbarste Erfindung des Jahrhunderts” und ließ seine Diener John Hobbs und Frederick Crawley hunderte von Daguerreotypien von Steinen (er begeisterte sich für Geologie) und mittelalterlichen Bauwerken Venedigs, die er studierte, anfertigen. Erst vor kurzem entdeckte man bei einer Auktion in Großbritannien Daguerreotypien, die ihm gehört hatten.
Für den Zeichner Ruskin war die Daguerreotypie kein Ersatz sondern ein Mittel zur Beobachtung, da die Aufnahme Einzelheiten festhalten konnte, die dem menschlichen Auge entgingen. Später erklärte Ruskin, dass die Fotografie seiner Ansicht nach niemals Kunstcharakter haben werde.

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