Musée d'Orsay: Wilde Seelen. Der Symbolismus in der baltischen Länder

Wilde Seelen. Der Symbolismus in der baltischen Länder

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Oskar KallisKalev auf dem Rücken des Adlers© Stanislav Stepashko
Mythen und Legenden
Es ist folglich verständlich, warum die Künstler auf alte Mythen und Legenden ihres Landes zurückgriffen. Die griechisch-römische Mythologie ist in dieser Periode so gut wie abwesend, obgleich Janis Rozentāls ( Arkadien , 1910) sich am Vorbild Böcklins inspirierte und Kristjan Raud die Grundsätze der ehrwürdigen religiösen Malerei fortsetzte, indem er sie genau studierte.

Anstelle dieser altertümlichen Referenzen inspirierte das zwischen 1857 und 1861 entstandene Nationalepos Kalevipeog von Friedrich Kreutzwald zahlreiche Künstler. Das Epos schildert die Heldentaten von Kalevipoeg, dem Sohn von Kalev und Linda. Er schlägt eine Reihe von Eindringlingen in die Flucht, doch letztendlich wird er besiegt, erwacht jedoch zu neuem Leben.
Oskar Kallis widmete dem Epos vierzig Gemälde, auch Nikolai Triiik oder Välo Tuul schöpften aus diesem Werk. Die Dramaturgie von Rauds Gemälde Der Tod von Kalevipoeg ist ein beredtes Zeugnis für die leidenschaftliche Beziehung, die die Esten zu diesem Text unterhielten.

Ferdynand RuszczycNec Mergitur© Photo Antanas Lukšėnas
Andere Künstler wählen dagegen Sujets, die einer Traumwelt entnommen sind. Dies bildet einen Kontrast zum politischen Mythos. Die Zauberstadt von Petras Kalpokas oder Fantasielandschaft von Emilija Gruzīte zeichnen sich durch ihre seltsame Atmosphäre aus, die wie eine Alternative zu einer enttäuschenden zeitgenössischen Welt anmuten.
Nec Mergitur von Ferdynand Ruszczyc könnte eine Anspielung auf Polen sein, das gleich einem mit den Wellen kämpfenden Boot mutig den Umwälzungen der Geschichte trotzt. Doch das Bild besticht vor allem durch seine fantastisch anmutende Darstellungsweise.

Die dunklen Landschaften von Gustavs Škilters oder Sigismunds Vidbergs, die den Einfluss von Beardlsey erkennen lassen, veranschaulichen die düstere Seite dieses späten Symbolismus. Man spürt immer eine impliziten Anspruch, wie Antanas Žmuidzinavičius, der den letzten Wohnsitz von Povilas Višinskis darstellt, einem Schriftsteller, der politisch aktiv war und sich sehr für die litauische Kultur einsetzte.
Letztgenannter zeichnet auch für das Gemälde Im Land der Gräber der Riesen verantwortlich, das eine Grabstätte zeigt. Man hat den Eindruck, dass Geschichte zwangsläufig tragisch ist.

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