Musée d'Orsay: James Tissot (1836-1902), die moderne Zweideutigkeit

James Tissot (1836-1902), die moderne Zweideutigkeit

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Die Frage der Einflüsse

James TissotPorträt des Marquis und der Marquise von Miramon und ihrer Kinder© Musée d'Orsay, dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt
Jacques Joseph Tissot wächst in Nantes zwischen dem Textilgeschäft seiner Familie und den Ufern der Loire auf. Er lässt sich ab dem Alter von 11 Jahren "James" nennen, interessiert sich zunächst für Architektur und zieht um 1855/1856 nach Paris, nachdem er sich für die Malerei entschieden hat. Er absolviert seine Ausbildung im Atelier von Flandrin und Lamothe, zwei Schülern von Ingres, die ihm die Vorliebe für die Zeichnung vermitteln.

Aber die echten Vorbilder von Tissot stammen nicht aus Frankreich. Der junge Künstler lässt seinen Blick ins Ausland schweifen und begeistert sich für die "Primitiven" :, die deutschen Meister des ausgehenden Mittelalters (Cranach, Dürer oder Holbein), die italienischen Maler des Quattrocento (Carpaccio, Bellini) und, unter seinen Zeitgenossen, den Belgier Henri Leys und die englischen Präraffaeliten, bei denen er dieselbe unverfälschte Weltsicht und feine Ausführung vorfindet. Verschiedene Reisen nähren diese dicht aufeinanderfolgenden Interessen, denn Tissot reist 1859 nach Belgien, Deutschland und in die Schweiz sowie 1862 nach Italien.

Ab 1859 stellt Tissot auf dem Pariser Salon aus. Seine Werke "voller bizarrer Seltsamkeiten, eigenartiger Dinge, kurios wie Zierobjekte aus Nürnberg" (Olivier Merson) ziehen alle Blicke auf sich, sie werden jedoch ebenfalls stark kritisiert. Dem Maler wird vorgeworfen, die alten Meister und Henri Leys nachzuahmen und sich selbstgefällig mit archaischen Mustern zu begnügen : "Es ist traurig, zu sehen, wie ein intelligenter und begabter Künstler sein Talent mit diesen pedantischen Fälschungen verzerrt", schreibt Paul de Saint-Victor.

Allerdings legt Tissot innerhalb weniger Jahre die Grundlagen eines originellen Stils aus präziser Zeichnung und kontrastierenden Farben, einem Sinn für Details und Anhäufung, entkräftete oder reuevolle Figuren, den er auf die modernen Malsujets anwendet.

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