Musée d'Orsay: Picasso. Blau und rosa

Picasso. Blau und rosa

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Pablo PicassoFrau in Blau© www.bridgemanimages.com © Succession Picasso 2018
Von Barcelona bis Paris, spanische Spuren
Seine Pariser Eindrücke von 1900 sind nicht die einzige Inspirationsquelle des jungen Picassos. Seine Aufenthalte in Málaga, Madrid, Barcelona oder Toledo zwischen zwei Reisen nach Paris zeugen von seiner Verbindung zu Spanien und die Werke vom Anfang des Jahrhunderts schildern sowohl die Welt der katalanischen Moderne als auch des Goldenen Zeitalters Spaniens.

Picasso hat an der künstlerischen Schnelllebigkeit teil, die sich um einige Orte und Publikationen der spanischen Avantgarde herum gegen 1900 entwickelt. In Barcelona schöpft der junge Künstler aus der Malerei seiner Vorgänger Santiago Rusiñol oder Ramon Casas.
Er verbringt viel Zeit im Cabaret Els Quatre Gats, einer Hochburg der Boheme von Barcelona. Das Cabaret ‒ zugleich Taverne, Ausstellungsort und Literaturzirkel ‒ ist dem berühmten Pariser Chat Noir nachempfunden.

Picasso weiht dort am 1. Februar 1900 seine erste wirkliche Ausstellung ein, auf der er ungefähr einhundertfünfzig gezeichnete Porträts präsentiert, die er innerhalb weniger Wochen ausgeführt hat, sowie ein Ölgemälde, Letzte Augenblicke, das er kurz darauf auf der Weltausstellung 1900 in Paris zeigen wird.

In Madrid, wo er sich im Winter 1901 einige Monate aufhält, widmet sich Picasso sowohl modernistisch inspirierten Illustrationen für die Zeitschrift Arte Joven als auch einer ambitiöseren Malerei, die auf Vélasquez Bezug nimmt (Frau in Blau).

Pablo PicassoWarten (Margot)© Gasull Fotografia © Succession Picasso 2018
Die Ausstellung in der Galerie Vollard
Als Picasso im Frühling 1901 zum zweiten Mal am Bahnhof von Orsay ankommt, bringt er einige Pastelle und Ölgemälde mit, die in Madrid und Barcelone entstanden sind. Auf Initiative des Katalanen Pere Mañach organisierte Ambroise Vollard, ein berühmter Galerist der Pariser Avantgarde, im Frühsommer eine Ausstellung der Werke Picassos: Dies war für den noch unbekannten Ausländer, der kaum Französisch sprach, eine außerordentliche Gelegenheit.

In seinem Atelier im Boulevard de Clichy malt er unermüdlich bis zu drei Gemälde pro Tag. Das Ergebnis dieser regen Aktivität ‒ etwa 64 Gemälde und einige Zeichnungen ‒ wurde auf der Ausstellung, die am 25. Juni in der Rue Laffitte eröffnet wurde, gezeigt.
Picassos Arbeiten bilden einen starken Kontrast zu dem Maler, mit dem er sich die Galeriewände teilt: Er stellt den "Espagnoladen" des Basken Francesco Iturrino Szenen des typischen Pariser Tages- und Nachtlebens gegenüber.

Die Ausstellung bei Vollard endet am 14. Juli. Der Erfolg bleibt nicht aus und die Verkäufe sind ansehnlich. Das Pariser Publikum entdeckt einen Picasso, der sich die Stile und Motive der bedeutenden Künstler der Moderne, Van Gogh, Degas et Toulouse-Lautrec, aneignet und sie neu interpretiert. Der junge Dichter Max Jacob ist so beeindruckt, dass er den Künstler kennenlernen möchte.

Pablo PicassoSitzender Harlekin© The Metropolitan Museum of Art, Dist. RMN-Grand Palais / image of the MMA © Succession Picasso 2018
In Richtung Blau
Nach dem Erfolg der Vollard Ausstellung zieht sich der junge Maler zurück und sucht nach einer neuen Richtung in seiner Kunst. Parallel zu einem Gemäldezyklus, den Picasso nach dem Tod Casagemas schafft, entsteht ein weiteres, sehr ergreifendes Werkensemble, in dem zum ersten Mal die Figur des Harlekins auftaucht.

Picasso präsentiert seinen Harlekin mit aufgestützten Armen, nachdenklich an seinem Bistrotisch sitzend. Alle Gemälde dieser Serie besitzen in etwa dasselbe Format und Thema. Ihre Ikonografie ist sowohl den Szenen der Pariser Cafés von Edgar Degas oder Edouard Manet als auch der Welt der Gaukler, die bald seine Gemälde bevölkern werden, entlehnt.

Doch die kühne Komposition in Form von Arabesken geht auf Henri de Toulouse-Lautrec zurück, von dessen Tod er vor kurzem erfahren hat. Durch die dunklen Umrandungen und den flächigen Farbauftrag entsteht der "Eindruck von Glasmalerei", unterstreicht der Kunstkritiker Félicien Fagus 1902.

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