Musée d'Orsay: Das schwarze Modell von Gericault bis Matisse

Das schwarze Modell von Gericault bis Matisse

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Study of a Model; Théodore Géricault (French, 1791 - 1824); France; about 1818 - 1819; Oil on canvas; 47 � 38.7 cm (18 1/2 � 15 1/4 in.); 85.PA.407
Théodore GéricaultMännerstudie, nach dem Modell Joseph© Photo Courtesy The J. Paul Getty Museum, Los Angeles

Géricault und die Präsenz des Schwarzen

Théodore Géricault (1791-1824) ist ein Jugendlicher, als Napoleon I., der in Amerika ein mächtiges französisches Reich aufbauen möchte, die Sklaverei in der Karibik wieder einführt. Die besonders restriktive Gesetzgebung, die diese Wiedereinführung begleitet (Verbot interrassischer Eheschließungen, Verbot des Zugangs zur Hauptstadt für die Schwarzen der Kolonien...) führt zur Wiederaufnahme der Bewegung für die Abschaffung, an der sich Géricault aktiv beteiligt. Er stellt sich mit jugendlicher Leidenschaft in den Dienst dieses Anliegens und malt zahlreiche energische oder schmerzvolle Darstellungen von Schwarzen. />
Sein Briefverkehr erwähnt nichts über die farbigen Frauen und Männer, die für ihn posierten, aber wir wissen heute, dass er mit dem berühmten Modell Joseph aus Haiti zusammengearbeitet hat, der auch von Theodore Chasseriau dargestellt wurde. Für sein berühmtes Werk Das Floß der Medusa verkörpert Joseph den Seemann mit nacktem Oberkörper, der auf ein Fass gestützt die Fahne der letzten gemeinsamen Hoffnung schwenkt.

Die Anfertigung des Gemäldes, welches das unheilvolle Schicksal der Kolonialexpedition der Fregatte Medusa im Sommer 1816 vor der Küste des heutigen Mauretanien schildert, unterlief mehrere Etappen.
Obwohl sich die erste Skizze durch das Fehlen jeglicher dunkelhäutigen Person auszeichnet, sind in der endgültigen Fassung insgesamt drei schwarze Figuren vertreten, d. h. zwei mehr als uns die Geschichtswissenschaft überliefert. Indem er mehrere dunkelhäutige Figuren in sein Gemälde einfügt, verdeutlicht Géricault sein solidarisches Engagement und liefert der Bewegung für die Abschaffung ein entscheidendes Symbol.

Jean-Baptiste CarpeauxWeshalb zum Sklaven geboren?© Musée des Beaux-Arts de la Ville de Reims / C.Devleeschauwer

Die Kunst gegen die Sklaverei

Am 29. März 1815 schafft Napoleon I. den Sklavenhandel ab. Diese Entscheidung sollte von Ludwig XVIII. einige Jahre später bestätigt werden. Trotz zunehmendem Druck seitens der Befürworter der Abschaffung bleibt das System der Sklaverei weiterhin bestehen: Die aufeinanderfolgenden Regierungen der Restauration und Julimonarchie begnügen sich damit, es zu reformieren.

Die Maler wiederum schlagen einen raueren Ton an. Der Handel mit den Schwarzen von François-Auguste Biard sorgt auf dem Salon von 1835 für Sensation. Andere wagen es, die Qualen der Opfer eines unmenschlichen Systems anzuprangern. Zu ihnen zählt Marcel Verdier, Schüler von Ingrès, dessen Werk Bestrafung mit vier Pfählen auf dem Salon abgelehnt wird.

Erst am 27. April 1848 sollte die junge Zweite Republik die Sklaverei in den französischen Kolonien abschaffen. Biard wird beauftragt, diese symbolische Maßnahme zu zelebrieren: Schwarze und Weiße sind auf einem Gemälde versammelt, wo der Jubel der Befreiten, die gesprengten Ketten und die Trikolore-Fahne mit Enthusiasmus die brüderliche Einheit der neuen republikanischen Ordnung feiern.
Das riesige Gemälde von Biard orientiert sich somit an den Thesen gegen die Sklaverei von Victor Schoelcher. Nach dem Salon von 1848 erstellt der Bildhauer Charles Cordier ebenfalls ein Inventar der Menschheitsfamilie in ihrer Einheitlichkeit und einzigartigen Diversität.

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