Musée d'Orsay: Meijer de Haan, der verborgene Meister

Meijer de Haan, der verborgene Meister

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Meijer de HaanFliederzweig in einem Glas, Apfel und Zitrone© DR

Die Bretagne


Die Anfangszeit in der Bretagne erweist sich als sehr schwierig für Meijer de Haan. Seine Briefe spiegeln seine düstere Stimmung wider. Die Unbilden der Witterung machen ihm zu schaffen, er ist nicht in der Lage zu arbeiten. Er hat gewiss keine finanziellen Probleme, doch seine Lebensweise und die Kreise, in denen er bisher verkehrt hatte, stehen im Widerspruch zu seiner jetzigen Lage. Er befindet sich in einer Sackgasse.

Seine kurze Rückkehr nach Paris im Juni ist zweifellos durch die Ausstellung der Symbolisten und Synthetisten im Café Volpini begründet. Voll Bewunderung entdeckt er rund hundert Werke von Gauguin, Bernard und Schuffenecker und ihren ungewöhnlichen Einsatz von Farbe und Form. Begeistert kehrt er in die Bretagne zurück und beschließt, von Gauguin den sogenannten „Impressionismus” zu erlernen.

Dies ist der Auftakt zu der produktivsten Periode seines Aufenthalts in Frankreich. Da Gauguin die Atmosphäre von Pont-Aven, einem kleinen pittoresken Dorf, das von zahlreichen Malern bevölkert wird, nicht mehr ertragen kann, lassen sich die beiden in Le Pouldu, einem abgelegenen Weiler an der Küste, nieder.

Ausschank am Strand, Le Pouldu© DR

Le Pouldu


In Le Pouldu gibt es kaum Abwechslung, folglich widmet sich De Haan ausschließlich der Malerei. Er kommt eine Zeit lang für Gauguin auf, der ihm dafür Malunterricht erteilt. De Haans Kunst entwickelt sich allmählich weiter. Er lässt seine erzählenden Frühwerke, die sich durch ihre gedämpften Farbtöne auszeichneten, hinter sich und beschäftigt sich mit dem formalen Aspekt der Farbe und der Darstellung des Lichts. Auf der Suche nach Sujets und einem eigenen Stil fertigt er zahlreiche Studien an.
Im Oktober 1889 zieht er mit Gauguin in einen kleinen Gasthof, der von Marie Henry geführt wurde. Er wird mit der jungen Frau während seines Aufenthalts eine Liebesbeziehung unterhalten.
De Haans Studien von Früchten und Gemüse lassen den Einfluss Gauguins erkennen. Allmählich findet er seinen Weg, es gelingt ihm, die Form mittels der Farbe herauszuarbeiten, seine Hintergründe durch die Verwendung von Blau, Blasslila und Rosa lebendig zu gestalten. Seine Bilder zeichnen sich oftmals durch deutlich erkennbare Diagonalen aus.
Meijer de HaanStillleben mit dem Porträt von Mimi© Van Gogh Museum, Amsterdam


Gegen Mitte November beginnen die beiden Maler, den Speisesaal des Gasthofs auszuschmücken. Die Wände werden allmählich von ihren Werken überzogen. De Haan malt unter anderem eine Mutter mit Kind, die Marie Henry beim Stillen ihrer Tochter Marie-Léa zeigt. Die Maler Sérusier und Filiger gesellen sich eine Zeitlang zu ihnen.
Andere Künstler wie Maxime Maufra, Jan Verkadeen oder André Gide halten sich kurzzeitig in Le Pouldu auf und berichten später von der Stimmung, die in dem kleinen Landgasthof herrschte. In der Korrespondenz des Malers Paul-Emile Colin liest man: „Ich sehe den Aufenthaltsraum vor mir […]. Gauguin hatte die Decke mit einem Gänsemotiv ausgeschmückt. Auch die Türen zierten Malereien. Ein großes Gemälde in Blautönen zeigte die Bretonin Marie mit ihrem Kind. […] Gauguin nahm seine Gitarre, Filiger seine Mandoline und wir gingen alle zusammen zu einem Felsen am Strand”.

Aus der Zeit von Le Pouldu stammen auch mehrere Porträts von De Haan – Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen -, die Gauguin angefertigt hatte. Der holländische Maler wirkt wie besessen von Spiritualität, von seinem Wissensdrang und sein körperliches Erscheinungsbild mutet nahezu dämonisch an.

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