Musée d'Orsay: Picasso. Blau und rosa

Picasso. Blau und rosa

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Pablo PicassoTod von Casagemas© RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris) / Mathieu Rabeau © Succession Picasso 2018
Der Tod des Freundes Casagemas
Mit Carles Casagemas, dem Sohn des amerikanischen Konsuls von Barcelona, verbindet Picasso ab Sommer 1899 eine enge Freundschaft. Vor der gemeinsamen Parisreise im Herbst 1900 teilten sich die beiden ein Atelier in Barcelona.
Aufgrund seiner unglücklichen Liebe zu Germaine, einem jungen Modell, schoss sich Casagemas nach dem Versuch, seine Geliebte zu töten, am 17. Februar 1901 in einem Restaurant am Montmartre eine Kugel in den Kopf. Picasso erfährt die Nachricht während seines Aufenthalts in Madrid.

Als Picasso mehrere Monate später nach Paris zurückkehrt, sucht er das Atelier auf, in dem Casagemas die letzten Stunden seines Lebens verbracht hat und greift dieses tragische Ereignis in seiner Malerei auf.
Im Sommer nimmt er mit dem Gemälde, Tod von Casagemas, das sich durch den expressionistisch angehauchten Fauvismus und den pastosen Farbauftrag auszeichnet, gleich einem Postscriptum den Stil seiner Ausstellung bei Vollard wieder auf.

Auf den anderen Porträts des Verstorbenen wechselt seine Palette zu Blautönen über, die ab Herbst auf seinen Gemälden dominieren werden. Diese Farbe beherrscht auch das großformatige und letzte Gemälde des Zyklus, Evokation, das sowohl eine Parodie auf El Grecos Begräbnis des Grafen von Orgaz als auch ein ironisch angehauchtes Adieu ist.

Pablo PicassoFrau mit Kind am Meeresufer© www.bridgemanimages.com © Succession Picasso 2018
"Traurigkeit und Schmerz"
Im Herbst 1901 sucht Pablo Picasso das Frauengefängnis von Saint-Lazare in Paris auf. Bei den Inhaftierten handelt es sich zum Großteil um Prostituierte und ihre Kinder. Die Frauen, die an Geschlechtskrankheiten leiden, sind an ihrer Haube auszumachen.

Während der letzten Monate jenes Jahres bilden diese Besuche den Auftakt zu einer Gemäldereihe zum Thema der Mutterschaft.

Nach seiner Rückkehr nach Barcelona Ende Januar 1902 malt der Künstler weiterhin Frauenfiguren, die sich durch ihre Einsamkeit und ihr Unglück auszeichnen. Die "Blaue Periode", die sich durch die überwiegende Verwendung der Farbe Blau, gefühlsbetonte Themen und ausdrucksstarke Formen auszeichnet, erreicht ihren Höhepunkt.
Die steifen, würdevollen Körper der Frauen, beugen sich unter dem Gewicht der geschwungenen Linien. Die Mutterschaft ist idealisiert und stilisiert. Die Haube der Frauen von Saint-Lazare wird zu einer Kapuze, während ihre Kleidung an die langen Tuniken der Gemälde von El Greco erinnert.

Pablo PicassoKopf schreiender Frau© RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris) / Béatrice Hatala © Succession Picasso 2018
"Blau wie der Abgrund"
Bei dem Begriff "Blaue Periode" denkt man zwar sofort an die Malerei, doch Picassos Kunst beschränkt sich bei weitem nicht auf dieses Medium.

Seinen Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und druckgrafischen Werken liegen dieselben plastischen Recherchen, dasselbe Streben nach dem Ausdruck von Schmerz zugrunde.

Die mit Feder oder Bleistift ausgeführten Blätter der umfassenden grafischen Produktion von 1902-1903 präsentieren Männer und Frauen mit leidenden, abgemagerten Körpern. Sie zeugen von der meisterhaften Beherrschung der verschiedensten Techniken und von dem zeichnerischen Geschick Picassos.
Die Gemälde hingegen bieten zahlreiche Blauvariationen. Es war für Picasso eine "innere Notwendigkeit, so zu malen", doch die Tatsache, dass er nachts bei Petroleumbeleuchtung arbeitete, spielte gewiss auch eine Rolle.

Parallel zu den tragischen Darstellungen von Notleidenden mit deformierten Gliedmaßen wie auf den Gemälden von El Greco porträtiert Picasso seine Freunde aus Barcelona wohlwollend oder sarkastisch.

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