Musée d'Orsay: Charles Gleyre (1806-1874). Der reuevolle Romantiker

Charles Gleyre (1806-1874). Der reuevolle Romantiker

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Rückkehr nach Paris: Die Kompromisse des Pastiche

Charles GleyreTürkische und arabische Reiter© Nora Rupp, Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne
Er wird 1838 von seiner Familie in Lyon in einem Zustand empfangen, "der tausend Mal schlimmer war als jener des Verlorenen Sohns", wie er selbst schreibt. Charles Gleyre lässt sich darauf endgültig in Paris nieder, mit der festen Absicht, den prestigeträchtigsten Künstlertitel - jenen des Historienmalers - zu erhalten. Aber wie soll man ohne Bekanntheit oder Vermögen eine Karriere aufbauen?

Ausgehend von im Orient realisierten Studien (er hatte von den Erben Lowells die Erlaubnis erhalten, sie für seinen Gebrauch zu kopieren) erarbeitet Gleyre originelle Kompositionen, die den aufkommenden Geschmack des Pariser Publikums für den Orientalismus zu berühren suchen.
Die uns zugetragenen Ergebnisse erweisen sich als inkonsequent, bereits überholt und enttäuschend: die malerische Anekdote konkurriert mit einer konventionellen Erotik und schreckt auch vor groteskem Humor nicht zurück.

Der Künstler verzichtet darauf, seine persönliche Erfahrung des Orients umzusetzen, die zweifellos nicht den Phantasievorstellungen der Pariser Kunstliebhaber entspricht. Im Gegenteil, er kompromittiert sich in Pastiches (Nachahmungen vorangegangener Kunstwerke) im Schatten der gefeierten Maler – Alexandre Decamps, Horace Vernet, Eugène Delacroix – die ihre Erinnerungen an den Orient erfolgreich verwenden, um der historischen und religiösen Malerei neue Impulse zu verleihen.

Bei Gleyre tritt das künstlerische Erbe des Orients erst später und in diskreterem Ausmaße zutage: z.B. in der poetischen Ausdruckskraft ausgetrockneter Landschaften, die im Gegenlicht von Dämmerung oder Morgenröte geformt werden. Der Künstler bezieht daraus seine Visionen der vorzivilisierten Welten.

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