Musée d'Orsay: Im Land der Ungeheuer. Léopold Chauveau (1870-1940)

Im Land der Ungeheuer. Léopold Chauveau (1870-1940)

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Die Zwischenkriegszeit

Léopold ChauveauMonströse Landschaften Nr. 52
Dank der materiellen Absicherung infolge seiner zweiten Ehe mit der Krankenschwester Madeleine Lamy kann Chauveau endlich seinen Beruf als Arzt aufgeben und sich in den 1920er Jahren voll und ganz der Schriftstellerei und Illustration widmen.
Sein Kindheitsfreund, der Professor und Journalist Paul Desjardins, lädt ihn zu seinen literarischen Treffen, den sog. "Décades de Pontigny", ein.

Aus diesem Austausch mit den bekanntesten Intellektuellen Europas entstehen aufrichtige und dauerhafte Freundschaften mit André Gide, André Malraux auch Roger Martin du Gard. Mit Monsieur Lyonnet (1930) und Pauline Grospain (1932) wird Chauveau zu einem Protagonisten des volkstümlichen Romans, einer neuen literarischen Gattung, die von Martin du Gard gefördert wird.
In Pontigny macht er ebenfalls Bekanntschaft mit den Gründern der Nouvelle Revue française , dem zukünftigen Verlagshaus Gallimard, das zwei seiner Romane herausgibt.

Obwohl er eine gewisse Anerkennung für sein literarisches Werk und seine Geschichten für Kinder erhält, bleiben seine Zeichnungen und Skulpturen unbekannt. Chauveau gibt daher die Bildhauerei auf und widmet sich der sehr farbenfrohen Reihe Monströse Landschaften, die eine für einen Autodidakten außerordentliche Beherrschung der Technik der Gouache- und Aquarell-Lavierung offenbaren.

 

Ein engagierter Künstler

Léopold ChauveauDie Geschichte des dicken Baums, der die kleinen Kinder fraß Nr. 7© DR
Als Kriegsgegner, der über den Aufstieg des Faschismus empört ist, wirft Chauveau einen schneidend scharfen und distanzierten Blick auf seine Zeit.
Er steht den kommunistischen Ideen nahe, verzichtet aber auf den Beitritt zur Kommunistischen Partei, um seine Handlungsfreiheit zu wahren.

Er nimmt allerdings Teil an den intellektuellen Gefechten der damaligen Zeit mit seiner Unterzeichnung der Antwort auf das Manifest der faschistischen Intellektuellen, die 1935 veröffentlicht wurde, und seine Anprangerung des Kolonialismus.

Gegen Ende der 1930er Jahre lässt sich Chauveau, der unter Nierenproblemen leidet, mit zunehmenden Nachlassen seiner Kräfte vom vorherrschenden Pessimismus mitreißen.
Nach der Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts im August 1939 bricht er endgültig mit dem Kommunismus. Zum Zeitpunkt der Kriegserklärung verfasst er sein Tagebuch, um sich von seiner Besorgnis und Langeweile abzulenken.

Er erklärt, seine Inspiration verloren zu haben und nur kurze Texte mit dem Titel "Postkarten" verfassen zu können. Allerdings zeichnet er bis zum Schluss unaufhörlich seine „monströsen Landschaften“.

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