Musée d'Orsay: Charles Gleyre (1806-1874). Der reuevolle Romantiker

Charles Gleyre (1806-1874). Der reuevolle Romantiker

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Die Ambition der Geschichte

Charles GleyreDie Römer werden unterjocht© Nora Rupp, Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne
Der Erfolg von Le Soir [Der Abend] öffnet Charles Gleyre endlich den Zugang zur Großen Malkunst, dem sog. "Grand Genre", das ihn seit jeher interessiert: die Historienmalerei. Er stellt auf dem Salon von 1845 das imposante Werk Séparation des apôtres [Die Trennung der Apostel] aus, ein erhabenes und schlicht-strenges Gemälde, das bald darauf vom Staat erworben wird. Danach erhält er einen Auftrag von der Präfektur für eine Kirche in Paris (das ursprüngliche Thema Cène [Das letzte Abendmahl] wird schlussendlich in das Thema Pentecôte [Pfingsten] umgeändert).

Die Bekanntheit des Malers dringt rasch bis nach Lausanne, der Hauptstadt seines Geburtskantons, durch. Der Kanton Waadt bestellt nacheinander zwei große historische Kompositionen zum Ruhm der Unabhängigkeit seines Landes - Le Major Davel [Der Major Davel] und Les Romains passant sous le joug [Die Römer werden unterjocht] -die sofort den Stellenwert nationaler Ikonen der Schweiz erlangen und als Meisterwerke im neu geschaffenen Museum für bildende Kunst von Lausanne aufbewahrt werden.

Der Künstler nimmt seine Pflicht sehr ernst und wendet die unveränderlichen Vorgaben von Horaz an: lehren, bewegen, gefallen. In einer Linie mit den jüngsten Entwicklungen des historischen Fachs unternimmt er eindrucksvolle Dokumentensammlungen bei Historikern und Archäologen, um tadellose Rekonstitutionen anzufertigen.

Die komplexen Kompositionen sollen pädagogische Klarheit und kathartische Emotionen vermitteln, die durch die Konfrontation mit den Helden einer neu aufgelegten Geschichte im Licht seiner republikanischen Überzeugungen erzeugt werden.
Und zuletzt sorgen die sorgfältige Bearbeitung bestimmter Abschnitte, die humoristischen Details und respektlosen Anspielungen für die erwartete begeisterte Rezeption.

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