Musée d'Orsay: Charles Gleyre (1806-1874). Der reuevolle Romantiker

Charles Gleyre (1806-1874). Der reuevolle Romantiker

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Archäologie der Landschaft

Charles GleyrePentheus verfolgt von den Mänaden© Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler
"Die Landschaft taugt für junge Leute, die ihre Erste Kommunion noch nicht hinter sich haben, oder für Greise, die nicht mehr genug Vorstellungskraft haben, um Malthemen zu erfinden und ein Gesicht zu malen." Dieses herablassende Diktum sollte aber nicht zu Trugschlüssen führen: Charles Gleyre hat sich eingehend mit Landschaften beschäftigt, sobald sie einen zutiefst ursprünglichen Charakter besaßen. Somit sind für ihn einzig Vulkane, Gebirge oder Wüsten, die von jeglicher menschlicher Nutzung verschont geblieben sind, von künstlerischem Interesse. Er malt gerne Erinnerungen an ägyptische oder türkische Landschaften, indem er die Effekte eines sanften Nachmittagslichts auf dem schroffen Felsgestein, Spuren der vergangenen tellurischen Tumulte, erforscht.

Anhand dieser geologischen Vorlagen aus dem Orient schafft Gleyre das Werk Déluge [Die Sintflut], eine erhabene Vision über die Entstehung der Welt. Elemente wie das Panorama-Format oder die Verwendung von beinahe phosphoreszierenden Pastellfarbpigmenten, die Lichtreflexe auf der Oberfläche der Ölfarbe schaffen, könnten von einem Diorama zum selben Thema angeregt worden sein, das in Paris 1844 eröffnet wurde.

Gleyre verfolgt seine Forschungen bis zur kühnen Skizzierung der ersten prähistorischen Landschaften, in denen er die Schöpfungsdarstellung der Genesis mit den Entdeckungen der im Entstehen begriffenen Paläontologie zu vereinen sucht. Schließlich erkundet Gleyre ein letztes Mal die dramatische Ausdruckskraft einer beunruhigenden Naturlandschaft, um dem Massaker an Pentheus, dem legendären König von Theben, Gestalt zu verleihen.

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