Musée d'Orsay: Das schwarze Modell von Gericault bis Matisse

Das schwarze Modell von Gericault bis Matisse

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Paul CézanneStudie nach dem Modell Scipion© Photo João Musa

Befürworter und Gegner des Kolonialreichs

Während die koloniale Eroberung in Rahmen der Universalausstellungen und Rekonstruktion von Eingeborenendörfern gefeiert wird, unterläuft die Beziehung zum "schwarzen Modell" um die Jahrhundertwende eine spürbare Veränderung. Eine imaginäre ferne Welt offenbart sich u. a. ab der ersten Reise von Gauguin auf die Insel Martinique (1887) und den traumähnlichen Urwalddarstellungen des Douanier Rousseau.
Diese idyllischen Visionen eines verlorenen Paradieses, verbunden mit der Entdeckung der afrikanischen Statuen durch Derain, Picasso und Matisse um 1906/1907, begründen die Entwicklung eines neuen Stils, der den einfachen mimetischen Bezug zum Modell in Frage stellt.

Picasso ersetzt das Gesicht einer der fünf Figuren seiner Die Fräulein von Avignon durch eine Baoulé-Maske, und Matisse malt den radikalen Akt Blauer Akt. Dieser künstlerische Wandel erhält mit der darauf folgenden Generation eine politische Dimension. Dadaismus und Surrealismus machen eine fantasievolle Vorstellung Afrikas zum anti-westlichen und anti-bürgerlichen Vorbild, das dem verrückten und poetischen Werk Impressionen aus Afrika von Raymond Roussel zugrunde liegt. Diese Vorstellung ist ebenfalls auf anderen Gebieten vorherrschend, wie beim Boxkampf zwischen Arthur Cravan und dem afroamerikanischen Weltmeister Jack Johnson.

Felix VallottonAïcha© SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk. Foto : Elke Walford

Die Bewegung der "Négritude" in Paris

Im Paris der 1920er Jahre herrscht eine echte Begeisterung für den Jazz und die schwarzen Künstler, und in zahlreichen Kunstwerken des Art Déco finden sich erotisierte Darstellungen schwarzer Körper. Die flüchtigen Musen der Pariser Bohème - Aïcha Goblet oder Adrienne Fidelin - werden porträtiert.

1919 wird in Paris die erste Pan-Afrikanische Konferenz von einem wichtigen Akteur der Harlem Renaissance, W.E.B. du Bois, organisiert, der die ersten Grundsteine für die Forderung auf Selbstbestimmung der Schwarzen legt.

Inmitten der vorherrschenden Kolonialhegemonie und dem aufkeimenden Faschismus ab den 1930er Jahren wird die Bewegung der "Négritude" in Paris 1931 infolge der Gründung der Revue du Monde noir durch die Dichter Léon Gontran Damas, Aimé Césaire und Léopold Sédar Senghor bestätigt, die dann 1935 auch die Zeitschrift L'Etudiant noir gründen.
Michel Leiris und die Zeitschrift Document de Bataille fordern wiederum eine ethnographische und soziologische Annäherung an die afrikanischen Objekte  ; Die Surrealisten schließen sich mit der Kommunistischen Partei zusammen, um eine Gegenausstellung zur gigantischen Kolonialausstellung im Jahr 1931 zu organisieren.

Auf seiner Reise nach New York, auf der Flucht vor dem Vichy Regime, entdeckt André Breton 1941, in Begleitung der Maler Wilfredo Lam und André Masson, in Fort-de-France fasziniert das Gedicht von Césaire "Cahier d'un retour au pays natal". Er verfasst mit Masson eine umfassende doppelte Hommage an Martinique und den Douanier Rousseau: Martinique, die Schlangenbeschwörerin (1948).

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