Musée d'Orsay: Charles Gleyre (1806-1874). Der reuevolle Romantiker

Charles Gleyre (1806-1874). Der reuevolle Romantiker

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Zur Idylle: Das Inkarnat im Licht

Charles GleyreDie Rückkehr des verlorenen Sohns© Nora Rupp, Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne
Die letzten Malereien von Charles Gleyre stehen im Zeichnen der Versöhnung: Nach den Szenen des Verlassens, der Unterdrückung und Erniedrigung, in denen Frauen und Männer systematisch gegenübergestellt wurden, verzichtet der Künstler künftig auf die Darstellung sowohl physischer wie auch symbolischer Gewalt. Die problematische Suche nach Harmonie, die das gesamte Werk von Gleyre wie ein roter Faden durchzieht, ist jetzt beendet.

Beim letzten vollendeten Gemälde handelt es sich um Le Retour de l'enfant prodigue [Die Rückkehr des verlorenen Sohns]. Es kann als eine Reflexion des Künstlers ausgelegt werden, der seine eigenen jugendlichen Ausuferungen bereut, oder aber als Wunschvorstellung eines Waisenkindes, das über die Malkunst das goldene Zeitalter der Familie verherrlicht.

Als Konzeptentwurf während der Realisierung von Le Soir [Abend] bleibt Le Paradis terrestre [Das Paradies auf Erden] nach dem Tode des Künstlers unvollendet. Es sollte einen strahlenden Morgen darstellen, an dem Adam und Eva, die Eltern der Menschheit, vor dem Sündenfall die Schönheiten der Schöpfung entdecken. Obwohl das Gemälde im Stadium der Vorstudie verblieben ist, kann man anhand der Skizze ein glitzerndes Licht erkennen, das die Konturen der Silhouetten vor einer golden schimmernden Wiesenlandschaft in den Schweizer Alpen abzeichnet.

Das Thema der wiedergefundenen Jugend durch die reinigende Kraft der Sonne tritt in den erstaunlichen Badeszenen der 1860er Jahre zutage: Abgesehen vom Fehlen mythologischer und geschichtlicher Details offenbaren sie eine eindeutige Stilabweichung.
Der weibliche Akt wird ungebundener und verliert unmerklich seine akademischen Reflexe zugunsten einer durchdringenden jugendlichen Frische, die jener der badenden Mädchen seines "impressionistischen" Schülers Auguste Renoir in nichts nachsteht.

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