Musée d'Orsay: Das schwarze Modell von Gericault bis Matisse

Das schwarze Modell von Gericault bis Matisse

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Henri MatisseDame à la robe blanche© Photo : Rich Sanders, Des Moines, IA. © Succession H. Matisse

Matisse in Harlem

Matisse unternimmt 1930 eine lange Reise über die USA bis nach Tahiti. Er entdeckt zum ersten Mal New York und ist von den Wolkenkratzern, dem Licht und den Musicals in Harlem fasziniert. Er entdeckt das schwarze Viertel, das gerade neu aufblüht, während Intellektuelle wie Du Bois oder Alain Locke, Musiker wie Louis Armstrong oder Billie Holiday, Fotografen wie James van der Zee eine moderne und urbane schwarze Kultur vertreten.

Matisse begeistert sich für den Jazz dank der Schallplatten, die ihm sein Sohn Pierre, ein New Yorker Galerist, mitbringt, und besucht die Clubs in Harlem, u. a. das berühmte Connie's Inn. Bei seiner Rückkehr nach Frankreich ist er nachhaltig beeinflusst von den Jazz-Rhythmen, vermischt mit den Eindrücken der farbenfrohen Landschaften von Tahiti.

Diese Erfahrung sollte seine letzten Werke prägen. Er arbeitet damals mit mehreren Modellen gemischter ethnischer Herkunft: Elvire van Hyfte, belgisch-kongolesischer Herkunft, personifiziert den Kontinent Asien in einem sehr schönen Gemälde aus dem Jahr 1946, Carmen Lahens aus Haiti posiert für die Illustrationen zu Blumen des Bösen von Baudelaire, in entfernter Anspielung an die Geliebte des Dichters Jeanne Duval, oder auch Katherine Dunham, die Gründerin der Tanztruppe Ballets caraïbes gegen Ende der 1940er Jahre, die dem Maler als Inspirationsquelle zu einem seiner letzten großen Papierschnitte Kreolische Tänzerin (1951) dient. Daraus ergibt sich eine Vielzahl präziser graphischer Figuren, wobei sich die Zeichnung von Matisse der improvisierten melodischen Struktur des Jazz annähert.

Edouard Manet
 1832-1883
 Olympia [Olympia]
 1863
 Öl auf Leinwand
 H. 130; B. 190 cm
 Auf Anregung von Claude Manet durch öffentliche Subskription dem Staat übergeben 1890
Edouard ManetOlympia© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

« J’aime Olympia en Noire »

Aufgrund ihrer Komplexität und formalen Aussagekraft ist die Olympia von Manet ein Meilenstein der modernen Kunst, der unzähligen Malern als Inspirationsquelle diente und von ihnen dekonstruiert wurde, von den Neuauslegungen von Cézanne und der Kopie von Gauguin ab 1891, über die Odalisken von Matisse bis zu den Neuinterpretationen von Harlem Renaissance, Pop Art und der Kunst der Gegenwart.

Die kombinierte Darstellung von hell- und dunkelhäutigen Figuren steht im Mittelpunkt der Neuauslegungen des Gemäldes. Die spielerischen Formen der chromatischen Dualität, der Kontrast zwischen liegender und stehender Position hinterfragen die rassebezogenen, sozialen und sexuellen Identitäten der beiden Frauen, das Verhältnis zwischen westlicher Welt und Afrika, und formen greifbare Bezugspunkte für die Künstler von morgen.

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10


Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Drucken

Facebook
TwitterInstagramYouTube