Musée d'Orsay: Inkohärente Künste, Akademie des Lächerlichen (1882-1893)

Inkohärente Künste, Akademie des Lächerlichen (1882-1893)

Pierre Puvis de Chavannes
 (1824-1881)
 Le pauvre pêcheur [Der arme Fischer]
 1881
 Öl auf Leinwand
 H. 155,5; B. 192,5 cm
 Paris, Musée d'Orsay
Pierre Puvis de Chavannes Der arme Fischer© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Wie kann man „einen Minister“ darstellen, „der das Vertrauen der Regierung besitzt“ oder „einen Verbrecher, der die Stimme seines Bewusstseins unterdrückt“? Mit heiklen Problemen dieser Art befassen sich die Incohérents (Inkohärenten). Diese künstlerische Strömung wurde von Jules Lévy zu einem besonders günstigen Zeitpunkt ins Leben gerufen: 1881-82 befindet sich der jährliche Salon in einer institutionellen Krise. Die Arts incohérents (Die inkohärenten Künste), eine Art burlesker parodistischer Gegen-Salon will Kunstausstellung und Unterhaltung des Publikums zugleich sein. Ernst ist der Feind der Incohérents.

Über zehn Jahre lang (1882-1895) organisieren Künstler, Humoristen, Schriftsteller, Dichter wie Charles Cros oder Alphonse Allais, Leute aus Presse und Theater anscheinend fröhlich und unbeschwert Ausstellungen, die unter dem Deckmantel des Scherzes Kunst und Sitten ihrer Zeit anprangern.

Präsentiert werden Parodien berühmter Werke, gesellschaftspolitische Satiren, Wortspiele (Wörter werden im buchstäblichen Sinne benutzt, Homonymie oder Homophonie), Verfremdung von Gegenständen, Monochroide.

Das Publikum amüsiert sich und macht mit. Werbekampagnen, wohlwollende Presseartikel, geschickt gewählte Räumlichkeiten tragen zum Erfolg der Veranstaltungen wie z.B. Ausstellungen, Maskenbälle bei, die zugleich ein Antidot für die unruhige Atmosphäre des Fin-de-siècle sind, das durch die gesellschaftlichen Ungleichheiten und politischen Krisen aufgewühlt wird. Was ist davon ein Jahrhundert später übrig? Systematischer Spott, Infragestellung der anerkannten Werte sind immer noch zeitgemäß.

Ausstellungsleitung

Luce Abélès, Professorin für französische Literatur, literarische Abteilung des Musée d'Orsay und Catherine Charpin, Kunsthistorikerin

25 Februar - 31 Mai 1992
Musée d'Orsay

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